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In »Freud und die Seele des Menschen« vertritt Bruno Bettelheim die These, die meisten Mißverständnisse und Polemiken im Umfeld der Psychoanalyse der englischsprachigen Welt seien die Folge von Fehlübersetzungen und Entstellungen, die rational nicht erklärt werden können. Daß er und all die anderen Psychoanalytiker seiner Generation, deren Muttersprache Deutsch war und die später in englischer Sprache praktizierten, schwiegen, sei darauf zurückzuführen, daß entweder Freud selber oder Anna Freud, die beide die englische Sprache perfekt beherrschten, jede Übersetzung authorisierten; daß man aus Respekt vor beiden auf Kritik verzichtete; und daß man diese schwierige Aufgabe gern Freuds Erben überließ.
Bettelheim überwand sein Widerstreben, weil er sich durch das kulturelle Milieu, das er mit Freud geteilt hatte, dazu verpflichtet fühlte, zumal die Zeit knapp geworden war. Mangel an Zeit zwang ihn vorgeblich auch, unter den vielen Fehlübersetzungen nur einige der offenkundigsten auszuwählen — oder war es Mangel an Platz im »New Yorker«, wo die englische Fassung dieses Buches, 112 Seiten stark, zuerst erschien? Wie auch immer, für eine verhältnismäßig breite Leserschaft über ein dermaßen komplexes Thema zu schreiben, zog sicher Vereinfachungen nach sich.
Aber Bettelheim tut das Richtige, wenn er als erstes zeigt, wie die Psychoanalyse aus dem kulturellen Klima Wiens hervorgegangen ist und wie die Praxis der Psychoanalyse in Österreich von der in Amerika damals und heute geradezu abweichen mußte; wenn er beschreibt, wie die englischen Übersetzer wieder und wieder mit einer Reihe verschiedener Wortbedeutungen konfrontiert waren und schließlich die am stärksten wissenschaftsorientierte auswählten; oder wenn er erklärt, wie Konzepte und Wörter — zum Beispiel Eros und Psyche und die Ödipussage —, die auf klassische, jedem österreichischen Schulkind bekannte Mythen zurückgehen, in den Händen derer, die mit den Feinheiten dieser Mythen nicht vertraut sind, leicht zu Abstraktionen