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»Sexualmedizin stellt ein interdisziplinäres Fach dar.« Mit diesem knappen Einleitungssatz seines Vorwortes definiert der Herausgeber für die in diesem Fach gebündelten medizinischen Disziplinen (Gynäkologie, Urologie, Andrologie, Venerologie) ein um die psychodynamische Dimension erweitertes Krankheitsverständnis. Aus der ganzheitlichen Auffassung der Sexualität und ihrer Störungen, um die sich die Sexualmedizin durch Überwindung rein naturwissenschaftlicher und krankheitszentrierter Konzepte zunehmend bemüht, läßt sich die Theorie und Praxis der Psychoanalyse heute nicht mehr wegdenken. Dies drückt sich u. a. auch institutionell in einem zunehmenden Ausbau psychosomatischer Ambulanzen an Universitätsfrauenkliniken aus. Eicher selbst hat als Gynäkologe eine solche Ambulanz in Heidelberg aufgebaut.
Das vorliegende Buch wurde im Sinne seines interdisziplinären Ansatzes von zwölf Wissenschaftlern verschiedener Fachdisziplinen geschrieben. Es thematisiert alle Bereiche der Sexualität, einschließlich ihrer funktionalen sexualorganischen Störungen. Neben der Sexualität im Kindes- und Jugendalter (Müller-Küppers) und den Sexualstörungen in der Gynäkologie (Eicher) und der Andrologie (Vogt) ist ein wichtiges Kapitel über die Sexualität der Behinderten (Stöhrer) aufgenommen worden. Leider zentriert sich dieser Aufsatz überwiegend um die organischen Bedingungen und psychischen Probleme von Querschnittgelähmten und gibt wenig Hilfen zu einem vertieften Verständnis und zu therapeutischen Maßnahmen bei den vielfältigen Sexualproblemen anderer körperlich und geistig behinderter Menschen.
Neben einem vergleichsweise kurzen, aber übersichtlichen Kapitel über Sexualdeviationen (Wiederholt) erfolgt eine ausführliche Darstellung der Intersexualität und des Transsexualismus (Eicher und Schmid-Tannenwald). Die Unausgewogenheit einzelner Beiträge hinsichtlich ihres Umfanges und gemessen an ihrer thematischen Bedeutung im Darstellungszusammenhang der Sexualmedizin wird besonders an dem Kap