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Der erste Band dieser biographischen Goethe-Studie ist nun, zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung in englischer Sprache, in deutscher Übersetzung erschienen. Die Werbung des Verlags hat sich gelohnt: Die verbesserte zweite Auflage ist bereits auf dem Markt, und vielleicht wird Ende 1984 die dritte das Erscheinen des zweiten Bandes begleiten. Das ist zu wünschen. Denn mit diesem 1600seitigen Werk wird die Goethe-Biographik auf ein neues und vor allem besseres Fundament gestellt. Und nicht nur sie: Deutschsprachige Biographien deutscher Schriftsteller lassen sich nun nicht mehr so leicht mit antipsychologischem Affekt und zugleich doch mit unausgewiesener Psychologie schreiben. Jetzt, da der Psychoanalytiker uns den Götterliebling und heroisierten Dichterfürsten so überzeugend als einen Menschen zeigt, der durch Krisen ging und unter Leiden schrieb, jetzt kann die deutschsprachige Schriftstellerbiographik den wissenschaftlich ausgewiesenen psychologischen Zugang schwer noch tabuieren. Sie muß die Psychoanalyse zumindest bekämpfen; Verleugnung allein hilft nicht mehr.
Eissler schreibt hier die innere Biographie Goethes während des ersten Weimarer Jahrzehnts. Er spürt den unbewußten Prozessen nach, in deren Verlauf aus dem Stürmer und Dränger der Klassiker wurde: Ein Epochenwandel, gesehen aus der Innenperspektive und beobachtet an Mikrostrukturen. Dabei blickt er zurück in Goethes Kindheit und Jugend und gelegentlich auch voraus in die Zeit nach der Italienischen Reise. So zeichnet er ein lebendiges Bild von Goethes psychischer Entwicklung.
Durch einen Zufall läßt Eissler sich den Einstieg vorgeben: Als ausbildender Armeepsychiater suchte er ein didaktisch brauchbares Beispiel mißlungener Psychotherapie und fand es in Goethes Versuch, einem seelisch Kranken zu helfen. Von hier gelangt er zu Goethes dichtendem Weggefährten Lenz und dessen Erkrankung und schließlich zu Cornelia, Goethes unglücklicher Schwester. Im Anschluß an Rank und Reik arbeitet er die inzestuöse Bind