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Die in den sechziger Jahren einsetzende Liberalisierung des Sexualverhaltens war vielfach von der Hoffnung getragen, der Abbau von Tabus und Verboten würde von Schuldgefühlen und Gewissensnot entlasten; Wünsche nach Gegenseitigkeit in Partnerbeziehungen wären nicht mehr durch Konvention und repressive Moral verstellt. Pessimisten dagegen hatten vorausgesagt, die Lockerung der Tabus, die über der Sexualität liegen, würde sie zu einer faden Angelegenheit werden lassen und dem Außergewöhnlichen der Leidenschaft ein Ende machen. Wie sich die Wirklichkeit liberalisierter Sexualität zu diesen Erwartungen verhält, ob die Sexualität »Gegenkraft« oder »emsiger Agent der Macht« (Ziehe und Knödler-Bunte, S. 11) geworden ist, fragen und beantworten die Autoren des Sammelbandes »Der sexuelle Körper. Ausgeträumt?« auf je eigene Weise. Nur wenige unter ihnen vollziehen die isolierende Aufmerksamkeit mit, für die Sexualität weitgehend mit dem Körper bzw. mit Körperpartien zusammenfällt, die sexuell erregend sind. An ihren Arbeiten wird sichtbar, daß die Zurücknahme des (subjektgebundenen) Leibes hinter den Körper und die Ausstattung dieses Körpers mit einem ihm eigenen Verhalten an der Produktion von Pornographie ebenso beteiligt sind (vgl. Peter Schmied, S. 45) wie an der Ästhetisierung des Körpers. Letzteres wird an Walter Seitters Interpretation des photographischen Werks von Helmut Newton deutlich. Newton setze — so Seitter — die körperliche Pose zur Immobilität der Statue in Beziehung; in der Photographie verleihe er dieser Beziehung ihren adäquaten Ausdruck. Martina de Ridder vertritt die These, in den verschiedenen Formen der Prostitution sei der Körper der Frau dazu bestimmt, Leiblichkeit als Illusion darzubieten. Ihre Überlegungen scheinen nicht ganz von dem Mißverständnis frei zu sein, die Leibgebundenheit der Subjektivität könne bei Bedarf und auf Verlangen hinter die Darbietung des weiblichen Körpers zurückgenommen werden — als mache die Darbietung des Körpers das Subje