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Zentrales Interesse von Hildebrandt ist es, die heute verbreitete negative Beurteilung der evolutionistischen Theorien des vorigen Jahrhunderts als revisionsbedürftig zu erweisen. Dies wird an den Entwicklungstheorien der Familie von J. J. Bachofen, J. F. McLennan und L. Morgan vorgeführt und durch zahlreiche Anmerkungen zu weiteren Autoren ergänzt. Unter Evolutionismus werden von Hildebrandt diejenigen umfassenden Theorien über die Entwicklung der Natur und Gesellschaft zusammengefaßt, »die sich — in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts — im Gegensatz zur traditionellen teleologischen Sichtweise herausbilden und alternative Erklärungsmuster anbieten« (S. 13). Nun wird jedem, der selber einmal auch nur einige Schriften der Evolutionisten des vorigen Jahrhunderts gelesen hat, rasch klarwerden, daß die meisten Vorwürfe gegen den Evolutionismus (z. B. Unilinearität und Kontinuität der Entwicklung, Spekulation und Mangel an Empirie) nicht aufrechtzuhalten sind, auch wenn man heute zahlreiche, von den Evolutionisten angeführte gesellschaftliche Erscheinungen anders beurteilen wird. Dies herauszustellen, macht das Verdienst dieser Arbeit aus.
Doch ist die von Hildebrandt vorgenommene Einordnung des Evolutionismus in die Wissenschaftsgeschichte etwas schief, indem er den Evolutionismus vornehmlich als gegen ein traditionelles, letztlich theologisch auf die Bibel gegründetes Weltbild gerichtet ansieht. Was Hildebrandt als traditionelles Weltbild, das