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Das soziale Phänomen, das in den Vereinigten Staaten als Gay Liberation in die Geschichte einging, bewirkte in vieler Hinsicht eine Befreiung der Homosexualität; aber die American Psychoanalytic Association blieb, zumindest offiziell, standhaft. Kürzlich zeigte sich allerdings während zweier nationaler Kongresse in New York und San Diego, daß auch die American Psychoanalytic Association allmählich ihre Ansichten über die Homosexualität ändert. Zu überraschenden Aussagen kam es in New York, wo vier bedeutende Analytiker mit makellosem Ruf und imponierendem Stammbaum bei einem Panel mit dem Titel »Für ein neues Verständnis von homosexuellen Männern« ihre Thesen vertraten. In San Diego konzentrierte man sich auf die weibliche Homosexualität; aus verschiedenen Gründen führte dieser Kongreß zu weniger aufsehenerregenden Resultaten.
Während meiner ausgedehnten psychoanalytischen Ausbildung in verschiedenen Ländern und Kontinenten bin ich auf Unmengen von Beiträgen über ungewöhnliche Sexualpraktiken gestoßen, einschließlich unzähliger Veröffentlichungen zum Thema männliche oder weibliche Homosexualität. In Anbetracht dieser umfangreichen psychoanalytischen Literatur wirkt der Eröffnungssatz des Papers von Robert J. Stoller, betitelt »Erforschung der Homosexualität: die Spielregeln«, besonders faszinierend. Stoller, Psychiatrieprofessor an der Medical School of the University of California, Los Angeles, und als Redner bei amerikanischen und internationalen Kongressen recht bekannt, begann: »Obwohl ich mir deswegen Feinde unter Ihnen schaffen könnte, werde ich Ihnen ein Papier vorlegen ohne Theorie und Statistik, das von Problemen ausgeht, die nur eine Erkenntnis zulassen: wir — Psychoanalytiker und alle anderen, ob Fachleute oder Laien — verstehen Homosexualität nicht.« Das Panel »Für ein neues Verständnis von homosexuellen Männern« (»Towards a Further Understanding of Homosexual Men«) war dank der Bemühungen von Richard A. Isay, Arzt und Professor am Cornell