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Im betriebsamen Lärm des Psychotherapiemarktes, auf dem immer buntere psychotherapeutische Vorgehensweisen miteinander konkurrieren, ist es um die Psychoanalyse verhältnismäßig still geworden, obwohl sich der Theoriekern noch des ausgefallensten Therapieansatzes als Ausdruck einer »mehr oder weniger modifizierte(n) Persönlichkeitstheorie nach dem Muster der allgemein anerkannten psychoanalytischen Grundannahmen« erweist (S. 12). Zugleich sind in letzter Zeit mit den Arbeiten Ellenbergers (1973) und Sulloways (1982) umfängliche Bücher erschienen, die die Originalität der Freudschen Entdeckungen bestreiten. Und schließlich gibt es eine Reihe von Psychoanalytikern, die die Grundlagen der Freudschen Theorie von innen her destruieren:
»So dementiert die Handlungstheorie von Roy Schafer Freuds Metapsychologie, so grenzt sich die Kohutsche Selbst-Psychologie von wichtigen Elementen der Entwicklungslehre ab und nimmt Alice Miller mit ihrem Buch Du sollst nicht merken dezidiert Abschied von der Triebtheorie, ohne zu zögern, dieses Buch Freud zu seinem 125. Geburtstag zu widmen« (S. 13).
Gerade weil die Psychoanalyse derart in eine schon von Anna Freud als »anarchisch« beklagte Lage geraten ist, erweist sich das Anliegen Lorenzers in seiner neuen Arbeit als brisant. Denn dem Frankfurter Psychoanalytiker und Soziologen geht es um den Nachweis, daß man mit der Psychoanalyse nicht so willkürlich umspringen und mit ihr so schnell fertig werden kann, wie es viele Psychologen alternativer Therapieansätze, Historiker oder auch Psychoanalytiker tun, die nicht bedenken, daß man »nicht die theoretische Basis beliebig an einer Stelle ändern und der Meinung sein« kann, »daß an allen anderen Stellen alles unbesehen beim alten bleiben könne« (S. 14).
Wenn mich auch beim ersten Lesen die sehr breiten Raum einnehmenden Zitate gestört und etwas abgeschreckt haben, so wurde mir doch im Verlaufe der ersten hundert Seiten klar, daß dieses großzügige Zitieren tatsächlich methodisch so begründet ist