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Der Kongreß stand unter der Gesamtüberschrift »Familiäre Wirklichkeiten — 10 Jahre Heidelberger Familientherapie«. Es war also ein Geburtstag zu feiern, ein Jubiläum, und das zehnjährige Kind — ein Knabe, ein Mädchen? — bekam Besuch von zahlreichen Verwandten. Nicht nur fast 2000 Kongreßteilnehmer stellten sich ein; viel mehr machten die Verwandten aus Amerika her, vor allem die Großväter, die durch Vorträge sich und das Geburtstagskind ehrten. Aber auch eine leibhaftige italienische Magier-Königin, mit Vornamen nicht Maria, aber Mara, ließ am Wiegenfest Fünkchen aufsteigen. Das zehnjährige Kind hat einen Onkel Josef, der sich beim Einleitungsvortrag die Hände gut mit Watte gepolstert hatte, so daß es ihm gelang, die ausgeteilten Boxschläge als Streicheleinheiten durchgehen zu lassen. Irgendwie schien er selber nicht zu wissen, ob 10 Jahre nun »(k)ein Grund zum Feiern« sind (so der Titel des Einleitungsvortrages von Josef Duss von Werdt). Er habe sich als einziger an die alte Regel gehalten, daß Blumen zum Feste gehören; sein Hinweis auf die Dornen der mitgebrachten Rosen ließ allerdings niemanden aufschreien — hat das Kind doch keinen besorgten Vater? Ist es vielleicht »Rose-Maras Baby«?
Onkel Josef betonte seine Bruderschaft — und daß es auch feindliche oder zerstrittene Brüder gibt, sollte so gleich vergessen gemacht werden. Schließlich wäre es ein arger faux pas, wollte man sich auf Familienfesten streiten.
Die Unmöglichkeit des Widerspruchs hinterläßt Nachwirkungen; sie sind Anlaß dieses Berichts. Es ist über einen Kongreß zu berichten, der, vorzüglich organisiert, Wendepunkte in der »Scene« der bundesrepublikanischen Familientherapie setzte, die einer kritischen Nachprüfung bedürfen.
Was durfte man von einem solchen Kongreß erwarten? Im Programm