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Dieses Buch hat eine bemerkenswerte Vorgeschichte. Uecker und sieben seiner Studenten von der Kunstakademie Düsseldorf waren für vierzehn Tage Gäste der Psychiatrischen Klinik Littenheid. Patienten und Künstler konnten ungezwungen in Kontakt treten und eine Verständigung mit Hilfe von Kunst suchen. Die Ergebnisse dieses Experiments, das nicht seinesgleichen hat, wurde in den Littenheider Schriften I niedergelegt.
Ueckers Aquarelle und Zeichnungen sind unter eben diesen Voraussetzungen entstanden. Die Bilder überraschen schon deshalb, weil sie eine völlig neue Ausdrucksform des als »Nagel-Künstler« berühmt gewordenen Meisters zeigen. Die Konfrontation mit den psychisch kranken Menschen wühlte ihn derart auf, daß seine bisherigen künstlerischen Mittel nicht mehr ausreichten. Die beginnende Desorientierung zwang ihn, sich einen festen Ort zu suchen; ein Baumstumpf an einem Hang bot sich als geeigneter Platz an. Ein festgelegter Ausschnitt der Landschaft des Tannzapfenlandes begrenzte die ausschweifenden Phantasien des Künstlers. Erstmals seit 1958 verwendete Uecker die Lebendigkeit der Farbe, um die ihn bedrohenden Empfindungen zu bewältigen.
Da die meisten Menschen verlernt haben, Bildersprache unmittelbar aufzunehmen, bedürfen sie zum Verständnis eines kundigen Vermittlers. Wieland Schmied erweist sich mit seinem Essay »Littenheid — oder wie entsteht eine Landschaft« als ein hervorragender Führer.
Gerade diese künstlerisch kreativen Schöpfungen beweisen die Differenz zwischen der Kunst und der psychopathologisch bedingt eingeengten Bildnerei des seelisch-geistig kranken Menschen. Ein Künstler löst kraft seiner Ich-Stärke und seiner Genialität die beängstigende chaotische Verwirrung und findet seinen Weg zu einer gestalterisch überzeugenden Kunstform. Ausschließlich in diesem ganz spezifischen Sinne ist künstlerische Tätigkeit als Therapie zu bezeichnen.