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»Willst du dich selbst erkennen,
so sieh, wie die andern es treiben,
willst du die andern verstehn,
blick in dein eigenes Herz.«
Friedrich Schiller
Der Rezensent erfuhr von der Existenz Carl Furtmüllers erstmals durch die Lektüre der Protokolle der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung. In diesen Protokollen zeigt Furtmüller sich besonnen, diskussionsfreudig, fähig, Spannungen auszuhalten, interessiert an humanen, wissenschaftlich vertretbaren Lösungen der aufgegriffenen Probleme, solidarisch verbunden sowohl mit Sigmund Freud als auch mit Alfred Adler. Einige seiner Diskussionsbeiträge sind im vorliegenden Band enthalten. Besonders interessant sind Furtmüllers Äußerungen über die Zusammenhänge zwischen Philosophie, Dichtung, Erziehung und Psychoanalyse. Er hält es für nützlich und sinnvoll, die Psychoanalyse als »Arbeitsmethode« in anderen Wissenschafts- und Tätigkeitsbereichen anzuwenden, wehrt sich aber entschieden gegen alle Versuche, die Psychoanalyse als »Dogmengebäude« zu verabsolutieren (S. 37; vgl. S. 247-248, 280). Am 24. November 1909 bemerkt er z. B. in einer an einen Vortrag Viktor Tausks zum Thema »Erkenntnistheorie und Psychoanalyse« anschließenden Diskussion, in der u. a. die Triebkräfte aller Philosophie in der Verdrängung und Angst gesehen wurden: »Wir müssen doch unterscheiden zwischen der psychologischen Bedingtheit der Leistung und ihrem logischen Wert. Der Philosoph hat sich nicht damit zufriedenzugeben, daß wir ihn psychologisch auflösen, sondern er stellt die Forderung, ihm nachzuweisen, ob er einen logischen Fehler gemacht hat oder nicht. Durch die Vermischung dieser beiden Standpunkte habe der Vortragende den Philosophen großenteils unrecht getan. Die ganze Auffassung der Platonischen Philosophie trage ihrer ganzen Bedeutung nicht genügend Rechnung. Wir dürfen seine Produktionen nicht nur als Spiel seiner Affekte betrachten. Ähnliches sei auch bei Kant nicht angängig.
Es sei nicht ohne weiteres ausgemacht, daß unsere jetzigen erkenntnistheoretisc