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Drei schwergewichtige Titel — was ist dieses Buch? Weiß es der Autor, erfährt es der Leser? Roman, historische Rekonstruktion, Essay, Philosophie, Traktat, Botschaft? Es ist alles auf einmal. Das ist selbst in Zeiten, wo wir uns notgedrungen an postmoderne »Zitierwut« (Greffrath), bricolages und Stilmischungen gewöhnt haben, ein Wagnis. Nach seiner Dissertation über Autobiographik der Weimarer Republik , nach der glänzenden Abrechnung mit der Bewußtseinsphilosophie, der »Kritik der zynischen Vernunft« , liegt nunmehr das dritte Buch von Peter Sloterdijk vor (das vierte, »Der Philosoph auf der Bühne«, ist soeben erschienen). Worum handelt es sich?
Hundert Jahre, bevor Freud seine Reise zu Charcot antritt, bricht ein junger Wiener Arzt, Jan van Leyden, nach Paris auf, um dort den animalischen Magnetismus zu studieren, womit Franz Anton Mesmer die Stadt in Fieber und das gelehrte Europa in Spannung hält. Sloterdijks These ist, daß die Ursprungsgeschichte der Psychoanalyse hier und nicht in der Parisreise Freuds zu suchen sei. In der Tat vergessen Psychoanalytiker in der naheliegenden Idealisierung des Begründers Freud mitunter, daß Freud nicht nur der Vater der Psychoanalyse, sondern Enkel einer langen Ahnenreihe ist, ohne die es Freud nicht gegeben hätte. In dieser Genealogie haben die Hauptfiguren des Sloterdijkschen Buches, Mesmer und Puységur, zweifelsohne einen herausragenden Platz. Eine heilsame Erinnerung also? Die These Sloterdijks ist jedem, der einmal hinter Freud zurückgeschaut hat, vertraut. Die Wissenschaftsgeschichte weiß längst um den Beginn der Psychologie am Ausgang des 18. Jahrhunderts. Hier auch liegt die Entdeckung des Unbewußten, seine erste theoretische Thematisierung und therapeutische Einbeziehung. Wenn Georg Büchner in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts seine Erzählung »Lenz« schreibt, so ist diese die äußerste Konzentration der psychohistorischen Entdeckungen zwischen Mesmer und der späten Romantik und zugleich die denkbar konziseste Vor