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Vielleicht wird man eines Tages diese Tatsache zu den absurdesten unseres Jahrhunderts zählen, den Sachverhalt nämlich, daß in Berlin während der Jahre der Hitlerdiktatur im Foyer eines öffentlichen Gebäudes zwei Bilder hingen, deren Gegensatz kaum größer gedacht werden kann: die Porträts von Adolf Hitler und Sigmund Freud. Ort dieses paradoxen Wandschmucks war das »Deutsche Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie«, eine Institution, die mit dem Widerspruch ihrer Bilder vielleicht deutlicher als alles andere die innere Schizophrenie einer Forschungsstätte zeigt, an welchem die Vertreter der verschiedenen psychologischen Schulen arbeiteten, hin und her gerissen vom Zwang zur Anpassung an den faschistischen Staat und dem Verlangen nach Rettung des eigenen geistigen Erbes. Und der Gegensatz der Bilder veranschaulicht, wie sehr diese ungeheure Polarität, unter welche dieses Institut mit seinen Mitarbeitern gestellt war, zur Polarisierung einlädt bei der Deutung dieser Verhältnisse und Verhaltensweisen. Wie stand es also um fachliche Identität und moralische Integrität dieser Einrichtung, in welcher auch die in Deutschland verbliebenen Analytiker Freudscher Provenienz Unterschlupf gefunden hatten? Was war an einem solchen Institut an Psychoanalyse zu »retten«? Was mußte »liquidiert« werden? Welcher Variante des »Überwinterns« einer aufklärerischen, humanen, auf Hilfe gerichteten Personengruppe stehen wir als Betrachter hier gegenüber — angesichts eines antiaufklärerischen, mörderischen Systems, dessen Repräsentanten nach dem »stahlharten« Arier verlangten und zu deren ersten Amtshandlungen es gezählt hatte, Freuds Schriften auf dem Berliner Opernplatz ins Feuer zu werfen?
Fragen, auf die man sich Antwort erwartet in dem Buch der Berliner Diplompsychologin Regine Lockot »Erinnern und Durcharbeiten. Zur Geschichte der Psychoanalyse und Psychotherapie im Nationalsozialismus«. Titel und Umfang der Doktorarbeit — noch in der Taschenbuchversion umfaßt die Unter