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Den von Grunert herausgegebenen Sammelband verbindet eine gerade dem Masochismus wohl eigentümliche Dialektik von Trieb, Motiv und Funktion, von Subjekt und Objekt, constituens und constituendum, die dem Buch Dichte und Verbundenheit zwischen sonst sehr verschiedenen Einzelarbeiten verleiht.
Bei dem Versuch, das »Phänomen Masochismus« (Freud, 1933) zu verstehen, hat die Psychoanalyse sehr gewonnen durch ihre Erweiterung um die Objektpsychologie und die Theorie des Narzißmus. Ein Verständnis dieses Phänomens ausschließlich im Rahmen der Strukturtheorie erschiene heute sicherlich vielen Psychoanalytikern als fragwürdig.
In seiner Einleitung zeigt Grunert, wie auf dem Hintergrund der Selbst-Psychologie masochistische Erscheinungen oft als Versuche eines von Desintegration bedrohten Selbst verstehbar werden, sich wieder zu integrieren, Beziehungen aufrechtzuerhalten und Kohärenz zu stiften. Er verweist auf fünf Gefahrensituationen des Selbst, in denen masochistische Regulierungsmaßnahmen zu Bemühungen um subjektives Überleben werden.
Die Arbeit von Freud »Das ökonomische Problem des Masochismus« , in der er die Dreiteilung von erogenem, femininem und moralischem Masochismus einführt, zeigt darüber hinaus, wie stark klinische Pathologie und kulturelle Normalität ineinandergreifen. Beim Vergleich von moralischem Masochismus und Moral ist ersterer Ausdruck einer lebensbedrohlichen Regression und Triebvermischung des Ichs, letztere dessen kulturelle Überwindung durch Überich-Bildung, Triebentmischung und Außenwendung der Destruktion.
Eine zentrale Arbeit des Buches ist die von B. Berliner, »Die Rolle der Objektbeziehung im moralischen Masochismus« . Sie zeigt, daß nicht erst nach einer (imaginär) vollzogenen Wende von der Aktivität zur Passivität, sondern bereits zu Beginn der Entwicklung für die Entstehung des (moralischen) Masochismus eine frühe gestörte Objektbeziehung (und zwar die des unmittelbaren Körperkontakts zur Mutter) eine entscheidende Rolle spielt. Dabei sind sehr