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Dieses mit essayistischer Eleganz geschriebene Buch demonstriert auf seine eigene Weise die Richtigkeit und Fruchtbarkeit einer der Grundeinsichten der Psychoanalyse, nämlich daß die Produktivität des Künstlers letztlich als Befriedigung von Triebbedürfnissen zu verstehen ist. Indem es den vielfältigen engen Beziehungen zwischen der spezifischen gleichgeschlechtlichen Künstlererotik Thomas Manns und seinem literarischen Schaffen nachspürt, zeigt es allerdings nur die Auswirkungen des einen Grundtriebs. Über die Schicksale des Aggressionstriebs und ihre Funktion im Schaffensprozeß ließe sich, obwohl darüber viel weniger Material vorliegt, gleichfalls eine Abhandlung schreiben. Das Thema kommt übrigens bei Sommerhage dann und wann zur Sprache. Dieser behandelt seinen Stoff nicht im Rahmen einer literaturpsychologischen Anwendung der Psychoanalyse auf das Werk oder den Autor, sondern in einem weiteren, methodisch locker gefügten Zusammenhang, in dem allerdings analytische Konzepte einen wichtigen Bestandteil bilden. Die Studie ist daher ein gutes Beispiel für eine neue Form der Literaturwissenschaft, die sich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit der Psychoanalyse als einer Hilfswissenschaft bedient, ohne sich vorher um eine captatio henevolentiae der strengen Hüter des wissenschaftstheoretischen Grals zu kümmern.
Die Vermittlung von Erotologie und Poetologie in Thomas Manns Werk (in erster Linie werden die Essays, als Illustration werden verschiedene Novellen und Romane behandelt) wird unter vier verschiedenen Gesichtspunkten dargestellt: Sexualität und Sinnlichkeit, Narzißmus, Homoerotik, Künstlererotik und Erotik der Kunst. Sommerhage verfährt dabei nicht biographistisch, obwohl er die biographischen Fakten einbezieht, sondern er analysiert die Texte in Hinblick auf ihr affektives Substrat, er »dekonstruiert« gleichsam (ohne daß er diesen Terminus