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Goethes »Werther« ist viel interpretiert und beinahe ebenso häufig fehlinterpretiert worden. Unter Berücksichtigung bislang wenig beachteter Forschungsarbeiten — etwa K. R. Eisslers monumentaler Goethestudie von 1963 — gelingt dem Autor der schlüssige Nachweis, daß die Figur Werthers nicht den jugendlichen Rebellen (der im Kontext der Französischen Revolution, des Aufstands der Bürger gegen den Adel zu sehen ist) repräsentiert, sondern eher einen schwächlichen, tatenarmen Gefühlsmenschen, dessen schließlicher Selbstmord als narzißtische Regression, als Rückkehr in ein infantiles Paradies gedeutet wird. Die Figur der von Werther angebeteten Lotte erscheint in Fischers Interpretation als eine, in welcher Goethes Beziehungen zu seiner Mutter und, besonders, zu seiner jüngeren Schwester Cornelia verdichtet sind.