You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eine für Wildbeuterkulturen typische Göttin ist Sedna, »jene, die vorher ist«: »ursprünglich die Mutter des Lebens überhaupt, eine ebenso mächtige wie schöne Frau«. — Diese Sedna bildet das Leitmotiv einer großangelegten Studie, in welcher der Ethnologe Hans Peter Duerr verschiedene Kulturen hinsichtlich ihrer Einstellung zum Leben untersucht.
Duerr gelangt zu überraschenden Ergebnissen: Bei den »archaischen Menschen« läßt sich weitaus mehr Liebe zum Leben finden als in den späteren Kulturen. Als »archaisch« betrachtet Duerr die Angehörigen der früheren und heutigen Wildbeuterkulturen (Jäger und Sammlerinnen). Diesen stellt er die Bauern- und Hirtennomadenkulturen gegenüber, die in der neolithischen Revolution entstanden und deren Grundlagen bis in die heutige Zeit Gültigkeit haben. Die Jäger und Sammlerinnen müssen relativ wenig arbeiten, um ihre Existenz zu sichern; zudem leben sie in kleinen egalitären Gruppen, so daß es kaum zu größeren gesellschaftlichen Konflikten kommt. Mit dem Übergang zum Ackerbau und der Viehzucht wird die Arbeit mühsamer und eintöniger, vor allem aber wachst das gesellschaftliche Konfliktpotential deutlich an. Dadurch wird in diesen Kulturen die Lebensqualität niedriger, insbesondere durch die kriegerischen Auseinandersetzungen mit all ihren Nebenerscheinungen. Unter dem Eindruck, daß das Leben