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»Es ist die Absicht dieses Entwurfs, eine naturwissenschaftliche Psychologie zu liefern, d. h. psychische Vorgänge darzustellen als quantitativ bestimmte Zustände materieller Teile« schrieb Freud programmatisch in seinem Fragment gebliebenen, erst 1950 posthum herausgegebenen und heftig diskutierten »Entwurf einer Psychologie« aus dem Jahre 1895. Den dort anvisierten »neuronentheoretischen« Reduktionismus hat Freud zwar später zugunsten seiner Metapsychologie zurückgenommen, doch hoffte er noch 1920 auf eine neurophysiologische Erklärung psychischer Mechanismen. Freuds Hypothesen im »Entwurf« waren wiederholt Gegenstand szientistischer Revisionen von nicht-analytischer Seite, so in K. H. Pribrams und M. M. Gills »Freud's Projekt Reassessed« : »Wir meinen, daß Metapsychologie eine Neuropsychologie ist, die in terms der aktuellen Neurophysiologie umformuliert werden kann.«
Es ist daher kaum verwunderlich, daß Jean-Pierre Changeux, ein bekannter französischer Neurobiologe, seinen »neuronalen Menschen« im Gespräch mit Psychoanalytikern — Lacanscher Prägung — aus der Taufe hob. Changeux hat sich zum Ziel gesetzt, die Psychoanalyse zu ihren »wissenschaftlichen« Anfängen zurückzuführen und den Humanwissenschaften ein solides Fundament zu verschaffen. Sein Bestreben gilt in erster Linie der Kampfansage contra »Spiritualisten« und »Ideologen« einer Autonomie des Geistigen: »Fortan hat der Mensch nichts mehr mit dem »Geist« zu schaffen — es wird ihm genügen, ein neuronaler Mensch zu sein« (S. 216). Diese Radikalität hat 1983, im Erscheinungsjahr des Buches in Frankreich, beträchtlichen Wirbel hervorgerufen.
Was ist an seinem Reduktionismus neu, verglichen etwa mit Lamettrie oder dem Monisten Ernst Haeckel? Auch Changeux betrachtet die Psyche als Korrelat der »Gehirnmaschine« und beerbt das Darwinsche Selektionsprinzip, das er auf die Auswahl »innerer Repräsentationen« von Welt ausdehnt. Darüber hinaus bemüht er sich, die neurophysiologischen Forschungsergebnisse der jüngeren Ze