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Es war ein österreichischer Jude, der 1933, im Jahr der nationalsozialistischen »Machtergreifung«, ein von ihm verfaßtes, kurzes Gedicht mit der denkwürdigen Zeile enden ließ: »Das Wort entschlief, als jene Welt erwachte.« Und der ein Jahr später wie zur Bekräftigung notierte: »Mir fällt zu Hitler nichts ein.« Wäre Karl Kraus, der größte Satiriker deutscher Zunge im 20. Jahrhundert, nicht 1936, sondern erst 1939 oder 1942 gestorben — wer weiß, welche Sätze er hätte ersinnen müssen, um das, was er sah, mit dem Fluch der Sprachverweigerung, des Schweigens zu belegen.
Des sprachmächtigen Satirikers Kapitulation vor der Gewalt der nationalsozialistischen Realität (die Kraus dazu verführte, das »kleinere Übel« des Austrofaschismus bedingungslos zu unterstützen) indiziert gewiß eine sehr persönliche Kapitulation, ein Scheitern, das aufs Konto einer privaten Entscheidung geht. Aber nicht nur. Sein Schweigen — die Enthüllungen über das »Grauen des 3. Reiches« zog Kraus kurz vor der Drucklegung zurück, so daß sie erst postum unter dem Titel Die dritte Walpurgisnacht erscheinen konnten — indiziert auch einen gleichsam objektiven Tatbestand: Daß keine Sprache an jene Barbarei, die Hitlers rassistische Herrenbewegung planvoll ins Werk setzte, auch nur entfernt heranreicht. Das Schweigen des Satirikers im Angesicht des Nationalsozialismus verdeutlicht als stumme Geste den Hiatus, der die traumatisierende Wirklichkeit von ihrer rational-sprachlichen Rezipierbarkeit und Bearbeitbarkeit unüberbrückbar trennt.
Schweigen ganz anderer Art breitete sich aus, als es 1945, nach dem Zerplatzen der wahnwitzigen Träume vom »Endsieg« und einem »arisierten« Europa von den Pyrenäen bis zum Ural, darum ging, die Opfer zu zählen und zu benennen: die Exilierten, Gefolterten, Verstümmelten, Vergasten, Erschossenen, Strangulierten, Verhungerten. Und als es darum ging, die Täter, ihre Helfershelfer, Sympathisanten, Mitläufer zu zählen und zu benennen. In der Stunde der Wahrheit, die jetzt hätte anbrec