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Finstere, grausame Triebe kamen während der Naziherrschaft zum Vorschein. Den SS-Männern und vielen anderen wurde Gehorsam aufgezwungen. Ansonsten waltete der Mechanismus der Verinnerlichung — einmal in Form der Identifizierung, die mit ablehnenden Haltungen, mit Trauer und Verzicht auf narzißtische Ideale verbunden ist; zum andern in der primitiven Form der Introjektion (bei erwachsenen Menschen hervorgerufen durch das Unheimliche oder durch schmerzvolle Bedrängnis), die Projektion, Ichspaltung und teilweisen Verzicht aufs Realitätsprinzip bewirkt.
Die SS-Männer — wahrhaftig nur sie? Gab es nicht viele andere passive Teilnehmer und unbeteiligte Zuschauer und Mitläufer? — vermieden trotz ihrer höchst brutalen Aggressivität alle Schuldgefühle dadurch, daß sie die Opfer (Juden, Zigeuner, Homosexuelle, Priester, Geisteskranke oder einfach alte Menschen) als »Un-Menschen« deklarierten, vergleichbar mit den Sklaven des Altertums. Es war dies nicht einmal Hitlers eigene Idee, denn zumindest für die Juden galt dieser Status schon unter dem römischen Kaiser Theodosius (im Jahre 439 unserer Zeitrechnung) und bei Martin Luther (1545).
Hitler, der als Nicht-Deutscher selber durchaus nicht dem von ihm propagierten Rasseideal entsprach, entwickelte eine megalom-paranoide Reaktion: Der dunkelhaarige, schwächliche Perverse zwang allen Deutschen die Ideologie des arischen, d. h. des blonden, kräftigen, sexuell »normalen« »reinrassigen« Mannes auf. Aber trotz der Unzahl von Juden, die er vernichten ließ, gelang es Hitler nicht, seinen jüdischen Schatten oder sein »Doppel-Ich« loszuwerden, genauso, wie das auch bei Judas und Christus der Fall war. Megalomanie und Macht, Antisemitismus und Nationalismus reihten sich in den Fehlversuch der Reaktionsbildung ein.
Mit Hilfe von Projektionen reinigte Hitler sein Antlitz, wobei die narzißtischen, paranoiden und platonisch-asexuellen Eigenschaften ihn in einen vollendeten Götzen verwandelten. Hitler verstand es, bei den Deutschen eine anaklitis