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Seit sie 1977 ihren Kongreß in Jerusalem abgehalten haben, wo die amtierenden Vertreter der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) den Vorschlag, das nächste Mal in Berlin zu tagen, abgelehnt hatten, diskutierten die Freudianer stets von neuem, ob und gegebenenfalls wann sie nach Deutschland zurückkehren sollten; ob es überhaupt gut sei, sich den schmerzlichen Erinnerungen auszusetzen in der Absicht, sie zu tilgen, oder ob man Zeit die Wunden sollte heilen lassen, obgleich sie wußten, daß Zeit allein sie nicht heilen kann. Stärker als gewöhnlichen Sterblichen war ihnen bewußt, daß gerade der Gang ins »Land Hitlers« unbewußte Erinnerungen aufkommen lassen und es entsprechend mühsam sein würde, sich ihnen zu stellen. Selbst Psychoanalytiker, die mit deutschen Kollegen zusammengearbeitet hatten, gingen davon aus, daß der Kontakt mit »deutscher Psychoanalyse« erheblich schwieriger sein würde als der mit »bestimmten« einzelnen Personen, die sie kannten. Stets noch empfanden sie die Durchleuchtung der Nazi-Vergangenheit als eine besondere Herausforderung ihrer Profession — wußten sie doch, daß die »anderen«, die »Außenseiter« neue kritische Wertungen der — psychoanalytisch gesprochen — komplexen unbewußten Identifikationsprozesse vornehmen würden, die für die späteren Einstellungen zu anderen Menschen, damit auch zu Angreifern und ihren Opfern, von entscheidender Bedeutung sind. In welchem Maße solche Identifikationen aufgrund der Nazi-Vergangenheit verleugnet, verdrängt, intellektualisiert oder auf andere Weise verdunkelt worden waren, sollte das zentrale Kongreßthema sein.
Amerikanische, insbesondere emigrierte Analytiker hatten Befürchtungen besonderer Art. Würde man ihre offizielle Rückkehr nach Deutschland als Bereitschaft interpretieren, die Ermordung von sechs Millionen Juden zu verzeihen, oder würden sie, persönlicher gesprochen, dabei das Angedenken ihrer Eltern, Großeltern und anderer im Konzentrationslager ermordeter Verwandter verraten? Sollten si