You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zwölf US-amerikanische, der Psychoanalyse nahestehende Wissenschaftler haben an dem vorliegenden Sammelband mitgewirkt. So zahlreich die Autoren sind, so vielfältig und kontrovers sind auch die Aspekte und Meinungen, die in den einzelnen Aufsätzen entwickelt werden. Dabei schwanken Originalität und Qualität ganz erheblich. Nicht neu sind beispielsweise die Überlegungen des Psychiaters Robert Lifton (Yale University) zum Phänomen mordender Ärzte in Auschwitz. Wie konnte sich eine Art »Töten als therapeutischer Imperativ« entwickeln? Lifton hat selbst Interviews mit ehemaligen KZ-»Ärzten« durchgeführt, die gemäß der historischen Ideologie die Juden als Untermenschen ansahen und infolgedessen ihr ärztliches Ethos oft so in Worte faßten: »Aus Respekt vor dem menschlichen Leben würde ich einen eitrigen Blinddarm aus einem kranken Körper entfernen. Der Jude ist der eitrige Blinddarm im Körper Europas.« Der Autor beschreibt die Spaltungsmechanismen, die für diese Interpretation des Hippokrates-Eides eingesetzt werden mußten. Für den SS-»Arzt« waren auch die bestialischen medizinischen Versuche an Menschen nur Mittel, um dem deutschen »Volkskörper« zu besserer Gesundheit zu verhelfen. Lifton beschreibt diese Phänomene als »healing-killing-paradox«.
Auch Rafael Moses, Gastprofessor an der Hebräischen Universität in Jerusalem, beschreibt Spaltungsmechanismen, diesmal allerdings auf der Seite eines Teils der Opfer, nämlich jenen, die den Weg nach Palästina und später Israel fanden. Dort, während des Aufbaus des jungen Staates, wurden die individuellen Bedürfnisse denen des Kollektivs untergeordnet. Erst in den 70er Jahren wurde die Öffentlichkeit aufmerksam für die besonderen Erfahrungen der Überlebenden der Konzentrationslager, dies auch im Hinblick auf die herangewachsene zweite Generation, die sich zunehmend in psychotherapeutische Behandlung begab. Moses hat selbst Tiefeninterviews mit Überlebenden durchgeführt und merkt an, daß im kurzen Kontakt mit dem Patienten auf die s