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Der Titel des Buches könnte den Eindruck vermitteln, hier werde ein nur wenige Fachleute interessierendes Spezialthema abgehandelt. Tatsächlich wird eine hochinteressante Diskussion psychologischer Praxis vorgelegt, die weit über den Rahmen eines einzelnen Gegenstandsbereichs, nämlich des psychologischen Gutachtens, hinausgeht. Geboten werden auf reicher praktischer Erfahrung und umfangreicher Literaturkenntnis fußende kritische Auseinandersetzungen mit einer ganzen Reihe von Anwendungsfeldern der Psychologie im psychosozialen Feld.
Auftakt und Mittelpunkt des Bandes bilden jedoch zwei Kapitel über die »Ethik gutachterlichen Handelns« (Hartmann) und über »Praxeologische und epistemologische Aspekte der psychologischen Begutachtung« (Haubl).
Die »Ethik gutachterlichen Handelns« wird von Hartmann in einer modelltheoretischen Rekonstruktion gutachterlicher Orientierungen und Handlungen entwickelt, die sich auf Entwürfe von Habermas und Kohlberg stützt. Von Kohlbergs sieben Stufen sind in ihrer Anwendung auf die Gutachtenpraxis für Hartmann nur die letzten beiden »postkonventionellen« akzeptabel. Die sechste Stufe verlangt vom Gutachter die Vorrangigkeit der Würde seines Klienten und den Einsatz für übergreifende Werte wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, auch wenn dies den Gutachter in unlösbare Konflikte mit seinen Auftraggebern bringen sollte. Die siebente Stufe wird vom Autor selbst als utopisch anzustrebendes Ziel angegeben. »Auf dieser Stufe verpflichten sich die Aktoren zwingend, miteinander in permanente Kommunikation zu treten, gemeinsam Situationsdefinitionen