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Vergleicht man Schnitzlers Tagebucheintragungen mit seinem literarischen Werk, so kann man einerseits den überwiegend autobiographischen Charakter der erzählerisch oder dramatisch gestalteten Konflikte und Probleme feststellen, andererseits stößt man auf eine auffällige Diskrepanz zwischen Leben und Schreiben: das ärztlich-psychologische Verständnis, das Schnitzler seinen Figuren entgegenbringt, seine mit Recht berühmte Einsicht in Entstehung und Folgen innerer Konflikte gehen ihm völlig ab, wenn es sich um seine eigene Lebensproblematik handelt. Für sein eigenes seelisches Leiden, das sich in immer wiederkehrenden Angstzuständen, hypochondrischen Anwandlungen, Zwangsvorstellungen und manchmal schweren Depressionen, im Schwanken zwischen Grandiosität und Minderwertigkeitsgefühl äußerte, für das, was man heute wohl eine narzißtische Störung nennen würde, fand er keine andere Erklärung als die vom Bruder Julius angebotene der erblichen Belastung. Die Kernfrage der Untersuchung von Heide Tarnowski-Seidel, die sich mit Hilfe von Erkenntnissen der Psychoanalyse, der Kommunikationstheorie und der Familientherapie weit in das Gelände der Schaffenspsychologie vorwagt, lautet denn auch: »Was verhindert es, in bezug auf die eigene Erfahrung die kausalen Zusammenhänge herzustellen, die in den Texten mit entsprechender Problematik zwar mittelbar, aber noch eindeutig geschaffen werden?« (S. 63 f.). Die Antwort liegt darin, daß die