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Der Psychoanalytiker Sudhir Kakar ist vor allem durch seine grundlegende, bisher leider noch nicht ins Deutsche übertragene Studie über Kindheit und Gesellschaft in Indien mit dem Titel »The Inner World« bekannt geworden. Sein neuestes Buch — das erste größere Werk des Autors, das jetzt auch in deutscher Sprache vorliegt —, »Schamanen, Heilige und Ärzte«, vergleicht traditionelle indische Heilkunst mit westlichen Therapieverfahren, insbesondere mit der Psychoanalyse.
Wie kaum ein anderer besitzt Sudhir Kakar Erfahrungen, die ihm einen produktiven Vergleich der Heilverfahren in Ost und West ermöglichen. Seine psychoanalytische Ausbildung erhielt er am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt, praktische Erfahrungen sammelte er vorwiegend mit Patienten in Delhi. So vorbereitet, hat er Forschungsreisen im eigenen Land unternommen, um Erfahrungen mit traditionellen Heilern auszutauschen, ihre Behandlungsmethoden mit den Strukturen indischer Familiensozialisation in Beziehung zu setzen und sie schließlich mit dem eigenen psychoanalytischen Ansatz zu vergleichen. Der vorliegende Band enthält die Ergebnisse seiner Studien.
Um es vorwegzunehmen: herausgekommen ist ein ungemein spannendes, informatives und oft witziges Buch. Zu keinem Zeitpunkt verbirgt der Autor seine eigene Unsicherheit beim Zusammentreffen mit den vielen Gurus, die gleichermaßen abschreckend wie faszinierend auf ihn wirken. Er gesteht, daß er mehr als »heimliche Sympathie« für therapeutischen Bemühungen seiner traditionell arbeitenden Kollegen empfindet, auch wenn er die »Praxis« eines der von ihm aufgesuchten Heiler mit dem Namen Baba so beschreibt: »Der Fußboden war nicht besonders sauber …, und wenn man dem Baba gegenüber auf dem Sofa saß, drang ein unverkennbarer Geruch von Urin aus seiner Richtung«.
Dieser Baba versteht die psychischen Symptome seiner Patienten als Zeichen von Besessenheit durch sogenannte »balas«, eine Art Dämonen, die sowohl gute wie böse Absichten verfolgen können. Was der »bala« genau vo