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Dieses Buch ist, nach der Absicht des Autors, ein Versuch zur »dialogischen Vermittlung« (S. 9) zwischen Befürwortern und Kritikern der Selbstpsychologie. Um es vorweg zu sagen: Es ist ein außerordentlich gelungener Versuch. Seiten ist im deutschen Sprachraum in den letzten Jahren ein ähnlich differenzierter Beitrag zur Klärung der Narzißmusproblematik und besonders der Beiträge von Kohut zu lesen gewesen. Der Autor möchte »neben den Chancen und Bereicherungen auch die Gefahren und Defizite der Selbstpsychologie aufzeigen« (S. 10). Beides ist ihm gleich gut gelungen.
Das erste Kapitel befaßt sich mit dem kulturgeschichtlich-anthropologischen Hintergrund des Narziß-Mythos und mit Freuds Behandlung der Narzißmusthematik in seinen verschiedenen Schriften. Die Darstellung ist flüssig, wenn auch etwas knapp, so daß es guter Vorkenntnisse bedarf, um die Ausführungen des Autors ihrem Gehalt entsprechend zu würdigen.
Das zweite Kapitel behandelt Narzißmus- und Triebtheorie nach Freud. Besondere Beachtung erfahren dabei die Beiträge von Balint und Grunberger.
In den Kapiteln drei bis sechs wird die Theorie Kohuts vorgestellt sowie die verschiedenen Auseinandersetzungen, die sie provoziert hat. Diese Kapitel sind meines Erachtens das Kernstück des Buches, hier läßt sich am meisten lernen. Alle relevanten Topoi der mittlerweile weit verzweigten Diskussion werden angesprochen: Die Konzeption des bipolaren Selbst, das Schicksal der Trieb- und Konflikttheorie sowie des Ödipuskomplexes in der Selbstpsychologie, der Anspruch des Paradigmawechsels, die Rolle des Größenselbst, der Idealisierung und der Aggression, das Konzept der Selbst-Selbstobjekt-Matrix und seine Weiterungen und einiges mehr. Auch eher politisch-soziologische Beiträge, die Kohuts Theorie als restaurativ-revisionistisch ausweisen, werden ausführlich diskutiert. Bei Anerkennung ihrer Verdienste wird der (manchmal) »dogmatische Kern der Kritik« (S. 123) aufgezeigt, einer Kritik, die nicht immer ihren Gegenstand so genau