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Da die Psyche 40 Jahre alt wird und ich 70 wurde, frage ich mich, ob ich als Autor noch in die Psyche passe. Die Psyche ist ihrer selbstgestellten Aufgabe, Aufsätze über »Psychoanalyse und ihre Anwendungen« zu drucken, immer besser gerecht geworden. Die Redaktion hat die »Anwendungen« weiter gefaßt; man kann in Anlehnung an Anna Freud von ihrem »widening scope« sprechen. Gleichzeitig ist die Freudsche Psychoanalyse immer deutlicher als Ausgangspunkt und Kraftzentrum der publizierten Aufsätze hervorgetreten. Ich selber habe jedoch in den letzten zwei Jahren zwei Bände publiziert, die Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend und von unseren Afrikareisen zu Erzählungen verarbeiten. So hat sich mir die Frage gestellt, ob und wie weit ich mich damit von der Psychoanalyse entfernt habe oder was diese beiden Gebiete, die Psychoanalyse und das Schreiben von Geschichten, miteinander zu tun haben. Beiden gemeinsam ist, daß sie trachten, Stücke der Erinnerung neu zu beleben, sie zu verbinden und Gefühle hervorzurufen, die Ereignisse von damals durch Emotionen zu verknüpfen. Stellt sich diese Verbindung her, ist die Analyse gelungen; der Leser hat das Vergnügen, an einem Leben teilzunehmen, das das seine hätte sein können.
Damit hat es aber mit der Ähnlichkeit beider Unternehmen sein Bewenden. Der Analytiker, der unsichtbar hinter dem Kopfende der Couch sitzt, auf der sein Analysand liegt, soll mit seinen Deutungen helfen, daß der Strom der Einfälle nicht versiegt. Er öffnet die Pforten nach allen Richtungen, und sein Patient erinnert, phantasiert, löst auf und fügt zusammen, was ihm entspricht. Der Psychoanalytiker hat gelernt, darauf zu verzichten, seine magische Macht und seine Vernunft einzusetzen, um einem anderen Menschen die eigene Geschichte wiederzugeben. Es ist nicht seine Aufgabe, den verlorenen Sinn in einem fremden Leben zu finden. Manchmal darf er Zeuge sein, wie aus den scheinbar regellosen Einfällen und Reminiszenzen etwas Neues, Rundes entsteht. Das sind Mome