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»Die Stimme der Vernunft ist leise« steht über dem Namen Sigmund Freud am Denkmal, das vor nicht allzu langer Zeit in Wien unweit des Freud-Hauses in der Berggasse errichtet wurde. Es heißt aber bei Freud: »(…); die Stimme des Intellekts ist leise, (…)«.
Fehlerhafte Inschriften sind selten; mir selbst sind zwei Vorkommnisse dieser Art bekannt, wovon eines nicht eines gewissen Humors entbehrt. Bei der Eröffnung des Mozarteums in Salzburg unterbrach der Erzbischof seine Rede und starrte wie gebannt auf die in den Fußboden gemeißelten Takte aus der »Zauberflöte«. Die Herren des Kuratoriums fühlten sich beunruhigt, da sie befürchteten, die antikatholische Tendenz der »Zauberflöte« habe des Redners Unmut erregt. Keineswegs. Es war ein Fehler in der Wiedergabe der Tonart, der die Aufmerksamkeit des Würdenträgers absorbiert hatte.
Auch erinnere ich mich, daß sich in dem Text der am Psychoanalytischen Institut in Baltimore angebrachten Gedenktafel ein orthographischer Fehler eingeschlichen hatte und erst nach einiger Zeit entdeckt wurde. Man mag also den Irrtum des Freud-Denkmals als ein sicherlich bedauerliches, aber unvermeidliches Zufallsprodukt von der Art, die die deutsche Sprache so treffend als Werk des Druckfehlerteufels bezeichnet, ansehen.
Allerdings behauptet ein Freund von mir, daß die noch immer bestehende bedeutende Ambivalenz gegen Freud bei Vorträgen, Reden und dergleichen Gelegenheiten zu mehr Fehlleistungen führe, als statistisch zu erwarten wäre.
Ich glaubte ihm dies bisher nicht, obwohl ich zugeben mußte, daß biographische Arbeiten über Freud von Entstellungen und Unwahrheiten strotzen. Von den vielen will ich ein Beispiel willkürlich herausgreifen: So wird öfters behauptet, daß Freud am 6. März geboren wurde, was seine voreheliche Zeugung und somit die Zügellosigkeit seines Vaters