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Mit den Mitteln psychoanalytischer Textdeutung wird Eichendorffs »Taugenichts« als psychosexuelles Pubertätsdrama interpretiert.
Wir alle haben Eichendorffs »Taugenichts« kennengelernt. Spätestens in den ersten Gymnasialjahren, wenn das Opus des Danziger Regierungsrats üblicherweise auf dem Lehrplan steht. Beim Wiederlesen dieses »Musters rein romantischer Prosa« (von Wiese, 1956, S. 79) stellt sich dann auch wieder das gängige Vokabular ein: »Traum — Musik — Gehenlassen — ziehender Posthornklang — Fernweh — Heimweh — törichte Seligkeit« (Mann, 1916, S. 1479). Es fragt sich — und soll hier untersucht werden —, ob diese Begriffsmarken den analysierbaren Gehalt der Novelle eigentlich hinreichend umschreiben oder ob nicht vielleicht diese Klischees etwas verdecken. Etwas, das zu entdecken uns skandalös wäre, das wir damals, als wir den »Taugenichts« zum ersten Mal lasen, auch noch gar nicht entdecken konnten.
Sehen wir uns im 8. Kapitel um: Ein Herr Eckbrecht, ein Maler und Genie, hält in mäßigem Weinrausch eine kleine Ansprache. Herr Eckbrecht ist der einzige in der ganzen Geschichte, dem der Verfasser einen Familiennamen gibt. Die anderen sind einfach »der Portier«, »die schöne Gräfin«, »der alte Bauer«.1 Was sagt nun Herr »Eckbrecht«?
Er berichtet von einer »breitgespreizten Position«, die er »unbequem« nennt. Zwei Beine sind gespreizt, und da gibt es mancherlei zu sehen. Da ist vom »Morgenrot und zukünftigen Kindergesichtern dazwischen« die Rede. Und gegenüber vom »Morgenrot« befindet sich »Popolo«, genauer: die »Piazza del Popolo«, zur Zeit Eichendorffs, der nie in Rom war, am nördlichen Stadtrand gelegen.
Wenn wir die Wortwahl genauer betrachten, dann fällt uns auf, daß das »Morgenrot« in Eichendorffs Sprachgebrauch eine festumrissene metaphorische Bedeutung hat: »Liebe schwellet sanft die Segel. / Dämmernd