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Der Band versammelt deutsch- und französischsprachige Aufsätze zu dem sozialhistorischen Thema der Ablösung spätmittelalterlicher Körperauffassung durch die Körperauffassung des bürgerlichen Zeitalters. Die Beiträge handeln von der Leibgebundenheit des Lebens, wenn auch nur aus der Sicht objektivierbarer biologischer und sozialer Funktionen des Körpers. Nicht um den Leib geht es somit, sondern um den zivilisierbaren, gesellschaftlich beherrschbaren und politisch unterwerfbaren »Körper«.
Der Einfluß, den Staat und Wirtschaft, Kirche und Wissenschaft vom Körper her auf Betätigungen wie arbeiten und spielen, essen, zeugen und gebären ausüben, wird mit aufschlußreichen Beispielen belegt. Utz Jeggle zeigt am Spielzeug im Dorf Átány, einer Ansiedlung in der ungarischen Tiefebene, daß noch in den fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts im »Spiegel der Dinge« (S. 92) — hier der als Spielzeug gestalteten Werkzeuge — erkennbar bleibt, wie die traditionelle Lebenswelt der Kinder auf den Erwerb körperlicher Fähigkeiten für das Arbeitsleben im Erwachsenenalter zugeschnitten war. Am Schneidern der Aussteuer für die jungen Mädchen, ihres die zukünftige Lebensweise vorwegnehmenden Kleidervorrats, ihrer Tauf- und Kindeskleider sowie des Bettzeugs veranschaulicht er, wie in diesem Dorf Körperempfinden und Körperbewußtsein in Übereinstimmung gehalten werden (vgl. S. 102). Das Beispiel macht für eine kleine Gemeinde, deren traditionalistischer Zusammenhalt sich bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein fortgesetzt hatte, deutlich, was zu Beginn der Neuzeit möglicherweise allgemein galt: daß der Körper dazu verwendet wurde, der gesellschaftlichen Ordnung konkret und anschaulich Ausdruck zu verleihen. Das zeigt auch Erdmann Weyrauch am Beispiel der Mahlzeiten und ihrer Funktion für die Darstellung sozialer Unterschiede der Stände in der frühen Neuzeit. Alain Croix's Bericht über das Verhältnis zwischen dem Diesseits und dem Jenseits in der bretonischen Bevölkerung ist zu entnehmen, daß die Kirch