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Seit inzwischen mehr als 900 Jahren hält die katholische Kirche ungebrochen daran fest, daß die »Ehe«, ebenso wie die »Taufe« und die »Eucharistie«, ein Sakrament sei — ein von Gott gegebenes, heiliges Zeichen. Doch das, was heute jedem Christen selbstverständlich erscheint — die Berechtigung der Kirche, für alles, was die Ehe, das Zusammenleben von Mann und Frau betrifft, eine kompetente Instanz zu sein —, hat die Kirche damals, um 1100, schwere machtpolitische Kämpfe gekostet. Kontrahent im Streit um die Ehemoral, um die Zuständigkeit beim Ritus der Eheschließung war die weltliche Macht, der Adel. Bei den Konflikten ging es dabei nur zu geringem Teil um Fragen des rechten christlichen Glaubens; es ging vielmehr darum, welche von zwei diametral entgegengesetzten Moralvorstellungen sich dauerhaft durchsetzen würde. Ergebnis: Das kirchliche und das weltlich-adlige Modell der »guten Ehe« haben sich schließlich