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Machtausübung wird in Gesellschaften, in denen die technischen Möglichkeiten der Naturbeherrschung ständig ausgedehnt werden, immer bedrohlicher. Seit dem Unglück von Tschernobyl ist klar, daß bestimmte technische Möglichkeiten zu keinem friedlichen, dem Leben dienenden Zweck taugen, sondern unabsehbare Risiken gegen das Leben schlechthin bergen. Daß für solche destruktiven Technikformen Unsummen von Kapital und riesige Mengen menschlicher Arbeit verausgabt werden, daß zu ihrer Verteidigung gegen entschlossene Gegner brutale Polizeimethoden angewendet werden, hat etwas mit gesellschaftlicher Herrschaft zu tun, wollte man nicht einen letztlich vorhandenen Todestrieb in der menschlichen Rasse vermuten, der diese »Lust am Untergang« bewirkt.
Es wäre nun von größtem Interesse, wie Strotzka als erfahrener und kluger Psychoanalytiker die heutigen Machtverhältnisse als gesellschaftliche Paradoxien deutet. Aber zur Enttäuschung des Lesers zerfasert Strotzka das Thema so, daß man am Schluß nicht mehr weiß, wovon die Rede sein sollte. Es ist weniger ein psychoanalytischer Essay als eine sozialwissenschaftliche Literaturzusammenstellung unter dem Stichwort Macht. Strotzka verbirgt sich hinter allen möglichen Autoren, die schon etwas Bedeutsames zum Phänomen Macht gesagt haben, angefangen bei Macchiavelli über Freud bis zu Habermas. Der Narzißmus, der anale Bemächtigungstrieb, die ödipale Phase, sie alle haben etwas mit Machtstreben zu tun, und »Szenen der Macht« finden sich überall, in Familie, Schule, Arbeit, Massenmedien, in der Kunst ebenso wie bei Militär und Polizei. Es gibt unerkannte geschlossene Kreisläufe von Macht und Ohnmacht. Der Ausweg aus diesen tödlichen Kreisläufen heißt bei Strotzka: »Liebe, Vernunft, Toleranz und gegenseitiges Verständnis sowie die Fähigkeit zum Kompromiß« (Schlußwort S. 244). Aber wie sollen sich Liebe, Vernunft und Toleranz gegen die bestehenden Machtstrukturen durchsetzen? Noch nie sind die gesellschaftlich Mächtigen freiwillig abgetreten.