You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Frage, woher Freud den Begriff der »gleichschwebenden Aufmerksamkeit« genommen habe, ist vielleicht biographisch nicht zu beantworten und überflüssig. Über den Begriff nachzudenken bleibt für den Psychoanalytiker sinnvoll. Die erste Enttäuschung, daß nämlich der Begriff der gleichschwebenden Aufmerksamkeit in dem Buch von Schulz nicht erscheint, bedeutet wenig. Die Stellen, an denen Schulz Freuds Position darlegt, geben zwar keine unmittelbare Antwort auf unsere Frage, aber eine unerwartete Erweiterung: die »Metaphysik des Schwebens«, nach Schulz die letzte Möglichkeit einer »Totalphilosophie«, stellt auch Sigmund Freud als Figur der europäischen geistesgeschichtlichen Entwicklung in den Bezugsrahmen einer »Schwebe«.
Schulz hatte Gedanken, die implizit unsere Frage nach der gleichschwebenden Aufmerksamkeit betreffen, bereits in seinem Buch »Ich und Welt« dargelegt. Dort heißt es in einem Kapitel »Zur Metaphysik des Schwebens«: »Fichte hat als erster das Phänomen des Schwebens als eine wesentliche Bestimmung der Subjektivität in den Blick gebracht […] Schweben bedeutet die Bewegung eines Hin und Her zwischen Bestimmung und Nichtbestimmung.« Das trifft sehr genau die gleichschwebende Aufmerksamkeit im psychoanalytischen Prozeß. Das Schweben gehört bei Fichte ursprünglich der »produktiven Einbildungskraft« zu; dies entspricht Freuds Anknüpfungen an Börne und Schiller.
Fichte hat den kreativen Prozeß radikaler gefaßt. Es geht ihm, wie Schulz' neues Buch genauer ausführt, um »das Absolute«. »Das Absolute kann, sofern es schwebt, weder als Sein noch als Nichtsein bestimmt werden. Es bringt sich im Schaffensprozeß selbst hervor. Durch und in dieser Selbsterzeugung beendet das Schweben sich, indem es sich setzt, aber es erschöpft sich nicht, weil es das Absolute