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Dieser neue Sammelband zur Literaturpsychologie, herausgegeben von W. Schönau, einem der besten Kenner der Methode, vereint einen theoretischen Teil mit drei Studien zu methodischen Problemen und einen angewandten Teil mit neun Werk- und Autoranalysen. Neben psychoanalytischen Deutungen aus der Schule Freuds werden auch Positionen Jungs und Lacans einbezogen. In der knapp informierenden Einleitung gibt der Herausgeber (unnötigen Fachjargon vermeidend) einen Überblick über die Thematik des Bandes; in seiner verdienstvollen Auswahlbibliographie stellt er deutschsprachige Publikationen zur Literaturpsychologie seit 1945 und einschlägige Sekundärliteratur zu deutschsprachigen Autoren von Bachmann bis zu den Brüdern Zweig zusammen.
Die theoretischen Beiträge beschäftigen sich mit Traum und Dichtung, ihrer Analogie und Eigengesetzlichkeit sowie mit Grundzügen eines sozialpsychologischen Erklärungsmodells. P. v. Matt analysiert die Herausforderung der Psychoanalyse an die Literaturwissenschaft. Für ihn ist die Dichtung »Gespräch der träumenden Menschheit mit sich selbst« in einer Sprache, die sich nicht versteht. Gemäß den drei Dimensionen des literarischen Prozesses unterscheidet er zwischen einer Psychologie des Autors, des Werks (Sprache/Figuren) und des Lesers. Die traditionelle Leitfrage des Deutschunterrichts »Was will der Dichter damit sagen?«, also die Autorintention, gilt ihm nur als partielles Element der Deutung. Denn oft erweisen sich gerade die unbewußten Aussagen als wichtiger, »die Hand des kreativen Menschen weiß mehr als der Kopf«. Dementsprechend sind auch Ideenbezug und Konfliktstruktur nicht mehr primär für die Deutung des Werks. Die »göttlichen Ideen« maskieren nur die alte urzeitliche Lust; Konflikte an sich sind banal; entscheidend ist, was der Dichter daraus macht. Für v. Matt hat Vorrang die Frage nach der Bedeutung der Bilder; also der Symbolcharakter