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Für Freud blieb die Psychologie der Frau zeitlebens ein Rätsel. Die widersprüchlichen Ausführungen früherer Psychoanalytikerinnen wie Helene Deutsch auf der konservativen oder Karen Horney auf der progressiven Seite befriedigten ebenfalls nicht. Die Feminismus-Debatte bezog dann in jüngster Zeit neue radikale Positionen, zwischen denen gerade jetzt Margarete Mitscherlichs »Friedfertige Frau« ebenso sozialkritisch wie psychoanalytisch vermittelt. In diesem Kontext ist man gespannt auf ein Buch mit dem provokanten Titel »Utopie der Treue«. Es enthält wesentlich mehr als Phantasien über Untreue und Treue: Es ist vor allem eine psychoanalytische Kritik an bestimmten Erscheinungen der Frauen-Bewegung, besonders an deren Männer-Feindlichkeit und Körper-Ferne. Beide Phänomene werden als Symptome einer nicht bewußtgemachten Tochter-Mutter-Problematik entlarvt. Hinter dem Feindbild Mann steckt eigentlich der nicht eingestandene Haß auf die als übermächtig erlebte Mutter und deren Geringschätzung des eigenen Körpers.
»Untreue kann mit Treue abgewehrt werden, Treue mit Untreue« (S. 47): Entscheidend sind die hinter dem manifesten Verhalten stehenden latenten Wünsche und Ängste, die die Verfasserin in konsequent psychoanalytischer Perspektive aufdeckt. Sie hat viele Erfahrungen aus der Paar-Beratung und -Therapie. Was sie dabei ebenso hinter zwanghaft aufrechterhaltener Treue wie hinter nicht weniger zwanghaft sich wiederholender Untreue festgestellt hat, können abgewehrte aggressive Auseinandersetzungen zwischen Mann und Frau sein, latente Befriedigungen homosexueller Wünsche in Identifizierung mit dem Partner der Freundin bzw. des Freundes oder Inszenierungen ödipaler Konflikte, in denen beide Partner des Paares sich als verlorene Kinder erleben (S. 53). Die Suche nach einem Traumpartner ist die Utopie: Ihn/sie gibt es nirgendwo. Dies einzusehen fällt schwer.