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Daß das Strukturalistisch angelegte Werk von Jean Piaget zu den wichtigsten entwicklungspsychologischen Denkmodellen gehört, läßt sich schon daran ablesen, wie sehr es zu weiterführenden Theorien und Forschungen angeregt hat. So ist Lawrence Kohlbergs Modell der kognitiven Entwicklung — das seinerseits eine ganze Reihe von bemerkenswerten Arbeiten (wie die von Flavell, Loevinger u. a.) angeregt hat — ohne den Bezug zu Piaget kaum denkbar. Robert L. Selman, der die Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen in diesem Band zusammenstellt, geht noch einen Schritt weiter in Richtung auf die Vermittlung von Piagets Modell der Abfolge von Strukturen und Meads dialektischer Identitätstheorie. Er kritisiert, daß bei Kohlberg und seinen Nachfolgern der Akzent zu einseitig auf kognitiven Mustern liegt. Dadurch wird die zentrale Funktion der Perspektivenübernahme für soziales Verstehen (und damit soziales Handeln) zu wenig berücksichtigt. Dies ist jedoch ein entscheidender Modus der Interaktion und Identitätsbalance: »Das Kind [konstruiert] als Subjekt ein Modell der Koordination der eigenen Perspektive mit der eines wichtigen anderen […], damit zugleich seine eigene Auffassung von dem […], was es bedeutet, eine Person zu sein, ein »Selbst« oder ein »Anderer« zu sein« (S. 45). Um diese Dialektik zu erfassen, genügt es nicht, die Anwendung von kognitiven Strukturen auf die Objektwelt zu untersuchen. Daraus entstand die Vorstellung, »daß soziale Perspektivenübernahme, um wirklich einen wichtigen Bestandteil sozialkognitiver Entwicklung zu repräsentieren, eine genetisch integrierte Darstellung der Veränderungen der Konzepte von Beziehungen innerhalb von Personen, z. B. zwischen