You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Heinz Henseler vergleicht die Befunde, zu denen er aufgrund seiner Untersuchung von Melvilles Roman »Moby Dick« gelangt, mit Kohuts Auffassung des Phänomens narzißtischer Wut als der ohnmächtigen Wut, die als Reaktion auf eine Kränkung zu verstehen sei, die den Gekränkten veranlasse zu versuchen, die verlorene Macht zurückzugewinnen. Henseler vermittelt den Gekränkten bei Kohut als eine Person, die auf die Kränkung mit schamhaftem Rückzug oder mit narzißtischer Wut reagiere. Diese Wut sei jedoch »diffus, unbesonnen, grenzenlos und ohne das geringste einfühlende Verständnis für den Beleidiger« (S. 272). Dieser Mensch entwickle eine Rachsucht, die aus dem Gefühl von an ihm begangenem tiefem Unrecht erwachse. Der Beleidiger werde unscharf und als versagendes Selbstobjekt erlebt, das den Gekränkten enttäusche. In dieser Erklärung narzißtischer Wut bei Kohut sieht Henseler »die wahnähnliche Ausschaltung besonnenen Denkens in dem heiligen Zorn und der unersättlichen Rachsucht« (S. 273) in ihrer Bedeutung nicht gewürdigt. Bei seiner Behandlung narzißtischer Wut deutet Henseler Captain Ahabs Fixierung auf Moby Dick als Reaktion auf den Verlust der Mutter durch eine »Spaltung in Gut und Böse« und die Projektion des Bösen in die Außenwelt (S. 285). Dieser Mechanismus erlaube es, das gute Objekt (die Mutter) zu erhalten und mit dem primären Objekt in einer illusionären symbiotischen Einheit verbunden zu bleiben. Henseler, der narzißtische Wut nicht nur »als Wiederholung der traumatischen Wut des enttäuschten grandios narzißtischen Kindes« (S. 286) verstehen will, gerät dadurch in Gegensatz zu Kohuts Auffassung. Henselers Konzept der narzißtischen Wut ist auf das historische Objekt bezogen, denn er setzt lustvolle befriedigende Erfahrungen voraus und begreift die Rachsucht als unbewußtes Wüten gegen den sehnsüchtigen Wunsch nach Wiedervereinigung mit dem verlorenen Objekt, eine Sehnsucht, deren Erfüllung »mit Erfahrungen von Abhängigkeit und der Gefahr erneuten Verlassenwerdens