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Es sollte ein bedeutendes Weihnachtsgeschenk auf dem Gabentisch der westdeutschen Nation sein: In der Ausgabe von Heiligabend 1984 meldete Der Spiegel in tief violetten Lettern »Zweifel an Freud« an. Die Überschrift der zwölfseitigen »Titelgeschichte« versprach den »Angriff auf das Reich des König Ödipus«, im Inhaltsverzeichnis wurde sogar der »Sturz eines Denkmals« verkündet. In fleischrosa, blau und blond klappen auf dem reißerisch gestalteten Titelbild Amor und Psyche dem stier verklemmt dreinblickenden Opa Freud die Schädeldecke auf und leuchten mit einer Kerze in sein leeres Gehirn.
Ein Bild so recht für das weihnachtliche Gemüt der Deutschen. Katholische Kirche, Bildzeitung, Die Welt, Deutschlandstiftung, CSU und CDU dürfen sich voll bestätigt fühlen. Und schlummert nicht auch in uns anderen, den Spiegel-Lesern mit bürgerlichem Einkommen, Friedensbewegungsmiene und tiefenpsychologischem Knick im Auge, der geheime Wunsch, daß das alles nicht wahr ist, daß einer kommen wird, uns zu verkünden, Freud habe geirrt, Inzestwünsche, Kindersexualität, Analcharakter seien Ausgeburten kranker Gehirne? Weg mit dem schmutzigen Unbewußten! Endlich befreit uns Der Spiegel von dem bedrückenden Analysekram! Stolz und psychofrei sollten wir ins neue Jahr 1985 schreiten. (Am Heiligabend mittags schon melden die meisten Kioske: ausverkauft.)
Ein solches Geschenk träufelt Balsam auf die seelige Innerlichkeit. Weihnachten ist das Fest des deutschen Gemüts, Gefühl das Gebot der Stunde. Da darf der Verstand draußen in der Kälte bleiben und die Fülle gefühliger Gedanken sich breitmachen. Ist Freuds Theorie nicht ein Kind der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts, und kann man sie deswegen nicht als »Primitiv-Konstruktion« abtun? Autor Klaus Franke kann, und er kramt aus der dürftigen Zahl seiner zwanzig Anti-Freud-Bücher das Passende dazu heraus. Bedient sich Freud nicht einer auch Unstudierten verständlichen Sprache? Macht aber nicht eigentlich erst richtiges Fachchinesisch die Psychol