You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zwei Amerikaner legten vor kurzem Werke vor, die in Europa eine erhebliche Beachtung fanden. Beide sind Sozialwissenschaftler, beide Vertreter jenes Amerika, das nicht blindlings dem autoritären Trend der Reagan-Administration und deren Anhängerschaft folgt. Und doch sind sie verschieden: Murray Bookchin, 1921 geboren, zeitlebens ein Aktivist sozialer und freiheitlicher Bewegungen, einer der ersten, die sich für Umweltbewußtsein, alternative Technologien, für das antinukleare und Peace-Movement eingesetzt haben, ein Außenseiter des akademischen Lebens. Auf der anderen Seite Richard Sennett, der erfolgreiche vierzigjährige Professor für Sozialwissenschaft am renommierten Center for Humanistic Studies der New York University. Naheliegend ist ein Vergleich der beiden Werke: »Autorität« bei Sennett, »Ökologie der Freiheit. Wir brauchen keine Hierarchien« bei Bookchin.
Den Epilog beginnt Bookchin mit den Worten: »Ich habe in diesem Buch versucht, die Welt »auf den Kopf zu stellen«.« Schon manch einer hat diesen Anspruch gestellt, und nur zu oft hat es sich nach der Lektüre erwiesen, daß da nur alter Wein in neue Schläuche gefüllt wurde. Von Bookchin kann man dies nicht sagen; er besticht durch den Nachweis, daß auch die als revolutionär geltenden Ansätze abendländischen Denkens sich doch nicht grundlegend vom herrschenden Diskurs unterscheiden. Das gilt für Marx und Freud so gut wie für die Exponenten der anarchistischen Tradition.
Zu solchen Schlußfolgerungen gelangt Bookchin, indem er die abendländische Perspektive aufgibt — seine Perspektive ist eine umfassende, ganzheitliche. Die Natur, das Individuum, die Gesellschaft werden in ihren vielfältigen Aspekten und Zusammenhängen untersucht. Bookchin berücksichtigt dabei selbstredend den neusten Forschungsstand verschiedenster Wissenschaften. Daß er eine fulminante, manchmal emphatische Sprache schreibt, macht die Lektüre zusätzlich zu einem Erlebnis.
Auch bei Sennett ist ein umfangreicher Hintergrund an Wissen zu spüren, do