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Die depressiven Störungen beanspruchen im Vergleich zu den schizophrenen Störungen immer noch zu wenig Aufmerksamkeit in der Psychoanalyse. Zwar haben sich Psychoanalytiker seit Freud und Abraham immer wieder mit Psychodynamik und Psychotherapie der Depression befaßt, es sei nur an Bibring,
Bowlby, Edith Jacobson oder Henseler erinnert, trotzdem bleiben nach wie vor die Mehrzahl der depressiv Erkrankten dem Psychiater überlassen, wo sie fast ausschließlich mit Psychopharmaka behandelt werden. Es ist daher mehr als verdienstvoll, daß sich der Leiter der Psychiatrischen Poliklinik der Universität Basel, Autor bekannter Bücher über Gruppe, Neurose, Narzißmus und Süchte, des vernachlässigten Themas angenommen hat.
Sein Buch durchleuchtet das Thema nicht nur, wie der Untertitel ausweist, in psychophysischer und sozialer Dimension, es bietet vielmehr auch reichhaltige psychodynamische Aspekte: danach ist die Depression insofern eine narzißtische Störung, als die Selbstwertproblematik eine zentrale Rolle spielt. Narzißtische Leere, Enttäuschung und Verzweiflung kennzeichnen das innere Erleben, gelingt es nicht, in der Phantasie mit einem Ideal-Objekt zu fusionieren. Die Angst, vom Objekt getrennt zu werden und damit dem Nichts ausgeliefert zu sein, treibt die depressiven Patienten oft in den Suizid. Der Autor widmet diesem Problem einen besonderen Abschnitt: Depression, Suizid und erweiterter Suizid. Er versäumt es auch nicht, neben der Verlust- und Selbstwertproblematik, die schweren Gewissens- und Aggressionskonflikte depressiv erkrankter Menschen gebührend zu beachten. Die soziale Dimension zeigt sich in der Schwierigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen wegen der hohen Erwartungen der Kranken gegenüber ihrer Umwelt und den damit zusammenhängenden Problemen des therapeutischen Umgangs. Battegay beschränkt sich in dieser Beziehung nicht auf Psychopharmakologie, obwohl er als Arzt und Psychiater diagnostische, differentialdiagnostische und sogar erbgenetische Aspekte