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Das neueste Buch des Freiburger Literaturwissenschaftlers Carl Pietzcker enthält unter dem Titel »Trauma, Wunsch und Abwehr« insgesamt fünf Beiträge zur psychoanalytischen Literaturwissenschaft; drei davon sind bereits in nahezu identischer Fassung an anderen Stellen veröffentlicht, darunter der Aufsatz »Zur Psychoanalyse der literarischen Form« von 1976 (immer noch eine der lesenswertesten Arbeiten zum Thema). Eine Analyse von Goethes Prometheus-Ode erscheint zum ersten Mal in diesem Band, ebenso eine Untersuchung zu den »Grenzen und Möglichkeiten der Atomliteratur« (lediglich weniger als ein Drittel einer früheren Fassung sind in den Kasseler »Fragmenten 11« erschienen). Nur auf diese beiden Arbeiten möchte ich hier eingehen, besonders auf die letztgenannte.
Die trotzige Kampfansage des Prometheus an Zeus, die Goethe in seiner Prometheus-Ode (»Bedecke deinen Himmel, Zeus …«) gestaltet hat, gilt als repräsentativer ästhetischer Ausdruck des Lebensgefühls der Sturm-und-Drang-Generation. Pietzcker versucht in seiner Analyse dieser Ode sowohl die individuelle Selbst-Aussage Goethes zu fassen als auch ihre Bedeutung für ein neues gesellschaftliches Bewußtsein: »Das Individuelle, das ich […] psychoanalytisch zu begreifen suchte [d. i. die ästhetische Selbst-Inszenierung des um seine Autonomie kämpfenden jungen Genies] ist ein Gesellschaftlich-Individuelles, und es entstammt einem bestimmten Ort der Geschichte.« Es ist das Bewußtsein des bürgerlichen Individuums, das sich in der Ode gegen die geschwächten Strukturen des Feudalsystems wendet: »Die Prometheus-Ode verdankt ihre Wirkungskraft, die auch wir noch spüren, Goethes Fähigkeit, seine eigenen bewußten und unbewußten Widersprüche und die der kollektiven geschichtlichen Situation so zu strukturieren, in Übereinstimmung zu bringen und zu verdichten, daß wir aus dem Munde seines Prometheus den Menschen Goethe, das Genie des Sturm und Drang und den bürgerlichen Revolutionär vernehmen, in ihrem Stolz, ihrem Trotz und in ih