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In den letzten Jahren wurde in der deutschsprachigen Psychoanalyse häufig über den Verlust des kulturkritischen Erbes geklagt. Um so erstaunlicher ist es, daß eine bereits seit 1979 vorliegende hervorragende psychoanalytische Studie über Krieg und Aggression hierzulande kaum Beachtung fand. Der Psychoanalytiker Vamik D. Volkan, der in den USA lebt und arbeitet, untersucht in seiner »Psychoanalytic History of Two Ethnic Groups« den psychologischen Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen der türkischen und griechischen Bevölkerungsgruppe auf Zypern.
Vor etwa 400 Jahren eroberten die ottomanischen Türken Zypern und etablierten eine langdauernde ökonomische und kulturelle Vorherrschaft über die dort lebende griechische Bevölkerung. Sie nahmen das bessere Land in Besitz, ließen die Griechen für sich arbeiten und entwickelten so das Bewußtsein, die eigentlichen Herren der Insel zu sein. Unter dem Einfluß der Briten, die 1878 die treuhänderische Verwaltung übernommen hatten, kehrten sich die Machtverhältnisse zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen um. Dennoch blieben die Türken in einem psychologischen Sinne der Vorstellung eigener Größe und Überlegenheit verhaftet. Die große Mehrzahl der bäuerlichen Siedler, die im Laufe der Jahrhunderte aus Anatolien kommend, die Insel kolonisiert hatten, waren zur Emigration gezwungen worden, so daß unter den türkischen Zyprioten eine beständige Sehnsucht nach einer Wiedervereinigung mit dem »Mutterland« Anatolien herrschte. Auf der anderen Seite entstand unter den griechischen Zyprioten die panhellenistische »große Idee«. Die »Enosis«, die Vereinigung mit Griechenland wurde zur Bewegung und gewann mit dem Erzbischof Makarios einen einflußreichen Führer. Als Zypern dann 1960 von England als unabhängige Republik aus der Kolonialherrschaft entlassen wurde, standen sich beide Ethnien nach einer jahrhundertelangen spannungsreichen Geschichte als Feinde gegenüber. Nun folgten die Ereignisse, die als »Zypernkonflikt« durch die Medien ging