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Dieses Buch kann als eine der ambitioniertesten Kafka-Deutungen der letzten Jahre bezeichnet werden; es stellt höchste Ansprüche an Wissen und Reflexionsfähigkeit des Lesers, beeindruckt aber weniger durch methodische Strenge und Konsequenz der Darstellung als durch einfallsreiche Textanalyse: Redundanzen und rhetorische Spielereien hat der Leser in Kauf zu nehmen. Zunächst: der Titel weckt falsche Erwartungen — eine systematische Analyse von Recht und Macht bei Kafka wird nicht vorgelegt — und verschweigt darüber hinaus die zweite entscheidende Dimension der Arbeit, »das Begehren in den »Mythen« Franz Kafkas« (eine Habilitationsschrift betitelt »Konfigurationen des Rechts, der Macht und des Begehrens« liegt ihr zugrunde). In wessen Interesse geschah die Amputation des Titels?
Nach Ansätzen bei Deleuze und Guattari, Roland Pierre und Rudolf Kreis liegt hier die erste größere poststrukturalistisch orientierte Arbeit zu Kafka vor. Unter den Gesetzen versteht Hiebel die Einschreibungen der Macht auf den Körper, Einschreibungen, die den Gegensatz von Realitäts- und Lustprinzip installieren und damit das »Begehren« als Synonym für den Freudschen »Wunsch« entstehen lassen (S. 113, S. 13). Da Hiebel zeigt, daß bei Kafka das Recht immer wieder durch die Macht pervertiert und aufgehoben wird, bildet die Gegenüberstellung von Macht und Begehren in Kafkas Texten den eigentlichen Gegenstand der Arbeit. Sie verfolgt vorrangig die psychoanalytische und sozialphilosophische Perspektive, wie sie von Lacan bzw. Foucault eröffnet wurde. Beider Modelle und Theoreme fungieren als Analogien und Kommentare innerhalb einer ansonsten streng textbezogenen Auslegung. Der biographische Aspekt bleibt ausgeklammert, denn die tiefenhermeneutische Exegese soll herausstellen, »was in den