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Marotzkis Buch widmet sich einer Fragestellung, die im aktuellen Wissenschaftsbetrieb fast ausgestorben zu sein scheint, ohne deshalb doch an Relevanz eingebüßt zu haben. Gerade deshalb verdient es Aufmerksamkeit. Es dient dazu, das Projekt einer umfassenden Theorie des Subjekts wieder anzukurbeln. Insofern ist es mehr als nur ein Versuch, perspektivische Verengungen zu überwinden und den Dialog individual- und sozialpsychologischer bzw. sozialphilosophischer Denkweisen wieder aufzunehmen.
Marotzki entwickelt einen sehr anspruchsvollen, weitgespannten theoretischen Rahmen. Ausgehend von der Kulturkritik der »Dialektik der Aufklärung« soll — unter Zuhilfenahme »tiefenpsychologischer, strukturtheoretischer und interaktionstheoretischer« Ansätze, wie es im Untertitel heißt — eine Theorie der Sozialisation, der Subjektbildung formuliert werden. Ihre Funktion besteht darin, den grassierenden Subjektivitätsschwund der Moderne nicht nur zu reflektieren, sondern sich ihm mit begrifflichen Mitteln in den Weg zu stellen. Freud, Hegel und Mead sind die Bezugsautoren für den angestrebten Entwurf. An erster Stelle steht die Freudsche Psychoanalyse, die in der Freilegung der biologischen Tiefendimension des Ego die Rationalitätsgläubigkeit des neuzeitlichen Cartesianismus unterläuft. Die durch sie hervorgehobene triebtheoretische Dimension von Subjektivität soll in einem weiteren Teil durch die Hegeische Dialektik strukturtheoretisch (ohne daß im Verlauf der Argumentation klar wird, was »strukturtheoretisch« etwa in Beziehung zur psychoanalytischen Strukturtheorie präzise bedeuten soll) geöffnet und anschließend durch Mead interaktionstheoretisch erweitert werden.
Wie sooft bleibt allerdings die Durchführung hinter den durch die hohen theoretischen Ansprüche geweckten Erwartungen des Lesers zurück. Nicht nur gerät die Argumentation bisweilen recht holzschnittartig (»[…] daß dieser Zeitpunkt bei Adorno um 1848 gedacht werden müsse. Es war der Zeitpunkt, wo in Deutschland eine prolet