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Zum Abschluß und zur Vollendung seines Lebenswerks wollte Jean-Paul Sartre den Beweis erbringen, daß es heute möglich wäre, einen Menschen in seiner Zeit und Gesellschaft, seine Leistungen und sein Seelenleben vollständig darzustellen; mittels der Wissenschaften vom Menschen einschließlich der Psychoanalyse beschrieb und analysierte er Gustave Flaubert in vier Bänden — erst hatte er sechs Bände geplant — »L'idiot de la famille«. Als Gegenstand seines anspruchsvollen geistigen Experiments wählte er eine herausragende Figur der französischen Literatur, einen Mann, der interessant und fesselnd und dennoch zeitlich genügend entrückt war, um jene Distanz zu haben, die dem Autor nötig schien, um die Objektivität seiner Untersuchung zu gewährleisten. Um ganz sicher zu sein, sich nicht durch unkontrollierbare Gefühle und positive Vorurteile verführen zu lassen, wählte Sartre als Objekt der Untersuchung einen Schriftsteller, den er nicht mochte, für dessen Werk er Achtung empfand, aber keinerlei Sympathie oder gar Begeisterung.
Das Streben nach einer Objektivität, die es in menschlichen Verhältnissen nicht geben kann, mußte überwunden werden, um die Humanwissenschaften aus jener Sackgasse herauszuführen, in die sie nach der Mitte unseres Jahrhunderts geraten waren. Maya Nadig ist es beispielhaft gelungen, die Subjektivität der Forscherin und die der Otomi-Frauen, mit denen sie gesprochen hat, voll zur Geltung kommen zu lassen, ihre Analyse im emotionalen Austausch zu vertiefen. Dadurch ist sie zu Einsichten über Menschen und ihre Verhältnisse gekommen, denen nichts von der falschen Objektivität anhaftet, die psychoanalytische, ethnologische, soziologische Studien oft verzerrt hat.
Die Gespräche mit drei Frauen stehen im Mittelpunkt der Darstellung. Wie Sartre einen Schriftsteller, wählt Maya Nadig Frauen, die sie »widerständige Subjekte« (S. 29) nennt, Verhältnisse also, die sie nahe betreffen. Es geht ihr »nicht darum, […] eine klare Grenze zwischen Subjektivität und gesellsc