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Das Buch »In Freud's Shadow« von Paul Stepansky ist ein gelungenes Werk, das die Entwicklung der Theorien der Individualpsychologie Alfred Adlers, seine Mitarbeit an der Psychoanalyse Sigmund Freuds, seinen Bruch mit ihr und die Hintergründe all dessen zum Thema hat. Stepansky vertritt den Standpunkt, daß kein Dissident der ersten Stunde in der historischen Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse dieser so wenig Beachtung geschenkt habe wie Adler. Seine Theorien werden eher als Antithese zur Psychoanalyse denn als bloße Abweichung betrachtet. Stepansky baut sein Werk auf einer eindrücklichen Fülle von Schriften von Freud, Adler und deren Mitarbeitern auf und von Wissenschaftlern, die auf Adler großen Einfluß ausübten. Das Buch, das keine biographische oder theoretische Parteinahme für Adler oder Freud darstellt, zeichnet das Bild von Adler als Armenarzt und Erzieher, der den Sozialisten Wiens nahestand und sich für die Erforschung von Berufskrankheiten interessierte, die auf schädliche ökonomische Verhältnisse, verbunden mit einer bestimmten psychologischen Einstellung, zurückzuführen sind (S. 16). Adler sah sich im Widerspruch zur traditionellen Medizin und stand in dieser Beziehung als Innovator Freud nicht nach. Stepansky stellt aber fest, daß Adler zwar die traditionelle Medizin und Pädagogik in Frage stellte, aber die dahinterliegenden gesellschaftlichen Verhältnisse nicht genügend hinterfragte. Insofern hatten die Theorien von Marx nur bedingten Einfluß auf ihn. Aus der Sozialkritik Adlers entstand eine Anpassungspsychologie mit moralisierendem Charakter.
Interessant ist die Behandlung der Theorie über Organminderwertigkeit, die Adlers Individualpsychologie zugrunde liegt. Stepansky verfolgt die Entwicklung dieser Theorie von einer anfangs biologistischen Auffassung einer angeborenen Organminderwertigkeit bis hin zu einer Organminderwertigkeit, welche durch einen Konflikt mit der Gesellschaft wegen der Unfähigkeit des Organs, den Forderungen der Kultur nachzuk