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In dem von Heiko Waller herausgegebenen Buch werden die Begleitumstände, die bei der zwangweisen Unterbringung eines psychisch Kranken in eine Klinik vorliegen, untersucht. Heiko Waller stützt sich nicht allein auf eine Literaturauswertung zu diesem Thema, sondern referiert die Ergebnisse einer eigenen Erhebung (Krankenaktendurchsicht) im Hamburger Landeskrankenhaus Ochsenzoll. Im Zeitraum vom 1. 1. 1973 bis 31. 8. 1973 wurde eine repräsentative Stichprobe aller dort zur Behandlung aufgenommenen Patienten gezogen. Von den insgesamt 250 Patienten (S. 112) waren 110 zwangseingewiesen worden.
Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse erfolgt anhand einer recht schematisch anmutenden Hypothesenbildung, die den empirischen Gehalt der Arbeit unnötig verkünstlicht und den Fluß einer lebendigen Darstellung stört. Als Fazit kommt hier — wie bei vergleichbaren Untersuchungen — heraus, daß die Zwangseinweisung weniger von der Schwere des Krankheitsgeschehens beeinflußt wird als von der sozialen Situation des Patienten: Armut und Vereinsamung (S. 132) sind Hauptdeterminanten, die bei schweren psychischen Erkrankungen zu einer Zwangsunterbringung führen. In diesem Zusammenhang fand ich bemerkenswert, daß bei 10 der 110 zwangseingewiesenen Patienten die Einweisung durch Passanten veranlaßt worden war (S. 140). Welcher Verlust an familialer und nachbarlicher Beziehung damit verbunden sein muß, läßt sich ahnen.
Heiko Wallers Auswertung entlang methodischen Postulaten des »theoretischen Pluralismus« nach K.-D. Opp bedeutet leider eine rigorose Einschränkung aller die Erfahrung bereichernder Interpretationen der erhobenen Daten. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als seien die Hypothesen computergerecht vorformuliert und für Menschen, die nicht auf soft-ware-Denken programmiert sind, etwas schwer verdaulich. Der Zusammenhang der sozialen Gegebenheiten mit der inneren Verfassung des Betroffenen, der bestimmte Formen der Symptombildung auch erhellen könnte, kommt dabei zu kurz.