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Bertha Pappenheim, die in der Psychoanalyse bekannte Anna O., die Freud als die »eigentliche Begründerin der Psychoanalyse« bezeichnete (S. 5), ist neben Alice Salomon eine der Begründerinnen sozialer Frauenberufe. Schon Ernest Jones, Freuds erster Biograph, berichtete über die wahre Identität von Anna O. und erwähnte ihre große Bedeutung für die jüdische Sozialarbeit. Er wußte noch zu berichten, daß sie nicht geheiratet hat und dem jüdischen Glauben sehr verhaftet blieb. Es scheint, daß sie nie eine intime Beziehung zu einem Mann aufgenommen hat, ein Schicksal, das sie wohl mit Alice Salomon teilte, aber auch mit einer christlich geprägten Frau weiblicher Sozialarbeit wie Amalie Sieveking. Während in der christlichen Sozialfürsorge, besonders bei den Vertretern der Inneren Mission, sexualfeindliche moralisierende Töne kaum zu überhören sind, ist der jüdisch-orthodoxen Bertha Pappenheim Prüderie keine Empfehlung: »Die Fürsorgetätigkeit für Moralkranke soll von Frauen geleitet werden, die im vollen lebendigen Leben stehen oder es doch kennen, und die ihre Erfahrungen aus der Wirklichkeit geschöpft haben. Es sollen Frauen sein, wenn auch nicht ausschließlich, so doch vorwiegend verheiratete Frauen, die in Dingen des Geschlechtslebens wissend sind und darum weder in Strenge noch in Nachsicht ohne Maß sind, wie es ja bei der Einäugigkeit der Unverheirateten beim besten Willen leicht geschehen kann« (S. 24). Hier ist sie wohl am deutlichsten Freuds Sinn für Offenheit und Wahrheitsliebe verwandt.
Allerdings blieb sie von Widersprüchen gezeichnet. Sie hing am jüdischen orthodoxen Glauben, kritisierte ihn aber zugleich, weil die Frau in ihm nur die Rolle eines bloßen Geschlechtswesens zugewiesen bekomme (S. 28). Ihre Sozialarbeit zielte auf Selbständigkeit durch Arbeit, gerade auch bei Frauen. »Almosen sind einem Narkotikum gleich, sie wirken schädlich und demoralisierend. Darum kann Helfen kein bequemes, fahrlässiges Schenken von Geld und Geldswert sein, sondern die Bekämpf