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Klaus Kennel, langjähriger Mitarbeiter der Psyche-Redaktion, ist im März dieses Jahres, erst 48 Jahre alt, gestorben. Die letzte Arbeit des politisch aktiven Psychoanalytikers, der selbst auch ein passionierter Reiter war, ist einer Jugendschrift seines Lehrers Alexander Mitscherlich gewidmet: dessen 1935 veröffentlichtem »Reiterbuch«, einem »Versuch der Selbstbehauptung des phantasierenden Denkens im technischen Zeitalter« (Kennel).
Am Ende seines Lebensrückblicks »Ein Leben für die Psychoanalyse« (1980, S. 299) kommt Alexander Mitscherlich auf sein Erstlingswerk zurück — das 1935 im Waldemar-Hoffmann-Verlag, in zweiter Auflage dann 1936 in Ernst Niekischs Widerstandsverlag erschienene »Reiterbuch«.
»Wenn ich heute meine frühen Arbeiten, z. B. das »Reiterbuch« […] durchblättere, bin ich erstaunt über mich selber und meine damalige idealisierende oder auch moralisierende Haltung. Gerade das Wissen um die Gefahr des Selbstbetrugs, dem man immer wieder anheimfiel, hat im Laufe meines Lebens meinen Hochmut gedämpft und mich schließlich auch zu Skepsis mir selber gegenüber gebracht.«
Erstauntsein ist dem Überraschtsein verwandt, der Empfindung, mit der wir, wie Theodor Reik erkannt hat, auf das Eintreten des unbewußt Erwarteten reagieren. Das späte Erstaunen, das peinlich Überrascht-Sein bei der Konfrontation mit den eigenen Anfängen zeigt das unbewußte Wissen davon an, was und wie wir waren, und — allen selbstreflexiv-selbstkritischen Bemühungen zum Trotz — partiell noch immer sind. Auf die Wahrnehmung von Spuren des unverändert Gebliebenen reagiert das auf seine selbstkritische Leistung (mit Recht) stolze Ich gekränkt und sucht sich ihrer mit der Formel zu erwehren: so bin ich nicht mehr, so war ich einmal. Die Verurteilung des in die Vergangenheit verlegten, unerwünschten Selbstanteils fällt unter Umständen schärfer aus als billig.
Hätte der 72jährige sein »Reiterbuch«, geschrieben im Alter von 27 Jahren, nicht nur »durchgeblättert«, sondern ged