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Sehr geehrte Frau Dr. Chasseguet-Smirgel,
im Zusammenhang mit der Zeitschrift Psyche, die ich seit 1968 redigiere und zu deren Herausgebern ich seit einigen Jahren gehöre, haben sich unsere Wege verschiedentlich gekreuzt.
Der Anlaß meines heutigen Schreibens an Sie ist die Veröffentlichung der deutschen Übersetzung Ihrer »Überlegungen zum Hamburger Kongreß« im »Jahrbuch der Psychoanalyse«1.
Bei der Lektüre dieses Textes steigt in mir weniger die Erinnerung an Ihre in unserer Zeitschrift veröffentlichten Aufsätze, als die an Briefe auf, die wir von Ihnen im Hinblick auf eine Rezension eines Ihrer Bücher durch Hans-Dieter König erhalten haben und die unser Mitarbeiter Hans-Martin Lohmann von Ihnen (im Zusammenhang mit seinen Veröffentlichungen über die Schicksale der Psychoanalyse im Nazi-»Reich« und deren Folgen für die heutige Situation) empfing. Vor allem aber wurde ich an jenes erstaunliche Interview erinnert, das Sie zur Zeit des Hamburger Kongresses dem Hessischen Fernsehen gegeben haben (und das ich seinerzeit auch in der vollständigen Fassung sehen konnte). Aus Ihrem Brief an Herrn Lohmann sprach der heilige Zorn der Verfolgten, wunderlich verschränkt mit der Attacke gegen deutsche »Linke«, die Ihnen offenbar in erster Linie als schuldbeladene, verkleidete Nazi-Kinder mit blutigen Händen erscheinen. In Ihren Briefen an uns wegen der Buch-Rezension von Herrn König und mehr noch in dem Interview, das Sie vor zwei Jahren — in Ihrer Eigenschaft als Vize-Präsidentin der »Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung« — Herrn Schirmbeck gaben, kam hingegen eine zünftlerische Intoleranz zum Ausdruck, in der ich (wie andere) eine Verfallsform der psychoanalytischen »Orthodoxie« sehe. Indizien einer solchen zünftlerischen Intoleranz sind die Weigerung, psychoanalytische Fragen mit Nicht-Vereinsmitgliedern (wie Herrn König) zu diskutieren, und die Abstempelung andersdenkender Psychoanalytiker (wie Frau Mitscherlich) als »Abweichler« und ihrer Publikationsorgane (Psyche) a