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Eineinhalb Jahre nach Fritz Morgenthalers Tod liegt ein Buch zur Theorie und Technik der Traumdeutung vor, dem Thema, mit dem der Autor bei seinen psychoanalytischen Kollegen vielleicht mehr als mit seinen Arbeiten zur Ethnopsychoanalyse, Technik der Psychoanalyse und zur Sexualität bekannt wurde. Es enthält den Abdruck zweier Traumseminare sowie die beiden Abhandlungen »Ein Traum als Beweismittel« und »Traumdiagnostik. Zur Bedeutung der formalen und strukturellen Gesichtspunkte«.
Vor allem seine Traumseminare haben Morgenthaler einen besonderen Ruf eingebracht; man schien sein Vorgehen entweder nur rundweg ablehnen zu können oder wurde von der Faszination gepackt, die seine Sicherheit beim Lösen der Traumrätsel hervorrief. »Selbst die erfahrensten Analytiker verwandelten ihre professionelle Haltung des Wissenden in eine der Neugierde und des Lernenwollens«, schreibt H.-J. Heinrichs in seiner Vorbemerkung (S. 15). Indem Heinrichs jedoch hinzusetzt, es sei für ihn immer offen geblieben, wie weit dieser Umgang mit Träumen lehr- und lernbar sei, leistet er m. E. selbst einen Beitrag zur Verrätselung von Morgenthalers Vorgehen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, daß es bei Morgenthaler weniger um ein kunstvolles Jonglieren mit Bedeutungen, um Kunststücke eines Zauberers geht, als vielmehr um einen Kunstgriff, der, wenn man ihn methodisch auffaßt, in radikaler Weise psychoanalytisch ist. Gemeint ist hier Morgenthalers Vorgehen, an den Anfang eines Traumseminars »nur« den Bericht einer Traumerzählung zu stellen und den jeweiligen Referenten erst gegen Ende des Seminars wieder zu Wort kommen zu lassen, wenn die unterschiedlichen Eindrücke und Gedanken, die der Traumbericht in der Seminargruppe initiiert hatte, zu einer Reihe von Annahmen über diesen Traum, die Konflikte des Träumers, den Übertragungsbezug, in dem der berichtete Traum steht und anderes mehr zusammengefaßt waren.
Morgenthalers Vorgehen besteht also zunächst darin, eine sinnvolle Begrenzung dessen, worüber man